Peter GAIDA


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Koloniale Zwangsarbeit in Frankreich

während des Zweiten Weltkriegs

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden in Europa, Asien und Afrika Millionen Menschen zur Arbeit gezwungen. Die Kriegswirtschaft des Dritten Reichs war auf 12 Millionen Fremd- und Sklavenarbeiter angewiesen, in der Sowjetunion wurden Millionen Häftlinge in die Arbeitslager des Gulags verschleppt, und das japanische Kaiserreich zwang Millionen Chinesen, Indonesier und Filipinos zur Zwangsarbeit. 

Doch nicht nur die totalitären Systeme, sondern auch die kriegsbeteiligten Kolonialmächte bedienten sich der Zwangsarbeit. Die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich rekrutierten in Afrika und Asien während des Zweiten Weltkriegs Hunderttausende Soldaten und Arbeiter für die Front und für kriegswichtige Bauten.

Nach der Niederlage Frankreichs 1940 wurden französische Kolonialsoldaten und Arbeiter von der Wehrmacht beim Bau von Verteidigungsanlagen eingesetzt und mussten so einen Beitrag zur deutschen Kriegswirtschaft leisten. Der Vortrag liefert eine kurze Übersicht der kolonialen Zwangsarbeit in Frankreich und in seinem Kolonialreich während Zweiten Weltkriegs. 

Indigene Zwangsarbeit im französischen Kolonialreich

Das französische Kolonialreich war über ein halbes Jahrhundert lang das zweitgrößte der Welt. Indigene Zwangsarbeit war im französischen Kolonialreich - wie in anderen Kolonialreichen auch - in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine gängige Praxis. Nach der Abschaffung der Sklaverei Mitte des 19. Jahrhunderts gingen alle Kolonialmächte dazu über, Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Im französischen Kolonialreich erlaubten die so genannten „Eingeborenengesetze“ seit 1881 die Zwangsrekrutierung von Arbeitern für öffentliche und private Vorhaben.

Die erste Form der Zwangsarbeit war die Rekrutierung für Trägerdienste. Um die französischen Vorposten im kolonialen Hinterland aufzubauen und zu versorgen, wurden Tausende Träger für den Transport von Personen und von Material dienstverpflichtet. (DIA 4) Eine zweite Form der Zwangsarbeit war der Anbau von für den Export bestimmten Nutzpflanzen wie Kautschuk, Reis oder Baumwolle. 

Die Rekrutierungen von indigenen Soldaten begannen im französischen Kolonialreich um die Jahrhundertwende: ab 1900 wurde die allgemeine Wehrpflicht in Nord- und Westafrika, auf Madagaskar und in Indochina eingeführt. Im Ersten Weltkrieg rekrutierte Frankreich zum ersten Mal massiv Soldaten und Arbeiter für das Mutterland: über eine halbe Million Kolonialsoldaten und eine Viertelmillion Kolonialarbeiter wurden nach Frankreich verschifft und an der Front oder in Fabriken eingesetzt. 70 000 Kolonialsoldaten ließen an den europäischen Fronten ihr Leben.

In der Zwischenkriegszeit startete Frankreich ein weitreichendes Entwicklungsprogramm in seinen Kolonien. Für den Bau von Straßen, Häfen und Eisenbahnen wurden tausende Arbeiter per Gesetz zur Arbeit gezwungen. Die „Eingeborenengesetze“ sahen vor, dass jeder Untertan eine Kopfsteuer zu entrichten hatte. Wenn er dazu nicht in der Lage war, musste er die Steuerlast durch zehn Tage Arbeit ableisten, den so genannten „Prestationen“.

Eine vierte Form von Zwangsarbeit waren militärische Arbeitsdienste, die Frankreich 1926 zuerst auf Madagaskar und schließlich auch in Westafrika einführte. Alle Eisenbahnen in Französisch-Westafrika wurden von Zwangsarbeitern errichtet, oft unter hohen Verlusten. Der Bau der Eisenbahn in Französisch-Kongo in den zwanziger Jahren, bei dem 18 000 Zwangsarbeiter starben, empörte die internationale Gemeinschaft, und  1930 verabschiedete der Völkerbund eine Konvention zur Abschaffung der Zwangsarbeit.

Die rückständigen Kolonien Frankreichs in Westafrika waren jedoch auf die Zwangsarbeit angewiesen, und so erließ  Frankreich 1930 ein Gesetz, das Zwangsrekrutierungen in allen Kolonien legalisierte. Erst die linke Volksfront-Regierung unterschrieb sieben Jahre später die Konvention gegen die Zwangsarbeit, doch der Zweite Weltkrieg und die Politik des Vichy-Regimes führten die Zwangsarbeit in den Kolonien in bis dahin unbekanntem Ausmaß wieder ein: Über eine halbe Million Franzosen, Ausländer und Kolonialangehörige mussten entweder für das Dritte Reich oder für das Vichy-Regime Zwangsarbeit leisten.

Indigene Zwangsarbeit in der Nordzone

Bereits 1938 plante das Kolonialministerium erneut rund 300 000 Arbeiter aus den Kolonien nach Frankreich zu holen, doch die Rekrutierungen erfolgten nur schleppend: bis zum Kriegs­ausbruch wurden nur 20 000 Indochinesen ins Mutterland verschifft. 500 000 Kolonialsoldaten nahmen an den Kampfhandlungen teil, oft an vorderster Front und unter hohen Verlusten. Rund 90 000 wurden als Kriegsgefangene der Wehr­macht und als Faustpfand des Nazi-Regimes in zahlreichen Lagern interniert.  Im Mai und Juni 1940 wurden mindestens 3 000 Kolonialsoldaten Opfer deutscher Kriegsverbrechen. Obwohl sie sich ergeben hatten, wurden sie von der Wehrmacht aus Rassenhass erschossen.

(DIA 10) Doch die französischen Kolonialsoldaten verblieben nicht im Reich, sondern wurden aus rassehygienischen Gründen zurück nach Frankreich transportiert und in der besetzten Zone in Lagern, den so genannten Frontstalags, interniert. (DIA 11) 86 000 Kolonialsoldaten wurden in über zwanzig Frontstalags in der besetzen Zone Frankreichs interniert und vier Jahre lang zum Bau von Festungsanlagen herangezogen, obwohl die Genfer Konvention den Einsatz von Kriegsgefangenen bei militärischen Projekten verbietet. Die Frontstalags  dienten der Wehrmacht als Durchgangsstationen für den systematischen Einsatz in Arbeitskommandos, an der Atlantikküste vor allem für die Organisation Todt.

Die Organisation Todt entwickelte sich 1938 aus dem Reichsarbeitsdienst (RAD) beim Bau des Westwalls und wurde unter der Leitung des Ingenieurs Fritz Todt zu einer paramilitärischen Baubehörde. Sie begleitete die Wehrmacht auf allen Fronten und realisierte zahlreiche Verteidigungsanlagen sowie mehrere Sonderbauprogramme. Ab 1942 wurde die Organisation Todt von Albert Speer geleitet, nachdem Fritz Todt bei einem Flugzeugabsturz starb.

1944 beschäftigte sie im Dritten Reich und in den besetzten Gebieten 1,4 Millionen Arbeiter. Ihre Belegschaften rekrutierten sich aus Freiwilligen, Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. In Frankreich beschäftigte die Organisation Todt 1944 rund 300 000 Arbeiter. Darunter befanden sich 85 000 Franzosen, 50 000 Zwangsarbeiter und 25 000 Kolonialsoldaten.

1941 wurde die Organisation Todt von der Kriegsmarine beauftragt, Bunker für die deutsche U-Bootflotte zu bauen, um sie in ihren Stützpunkten in den französischen Häfen vor den alliierten Bombardierungen zu schützen. Die Organisation Todt bediente sich deutscher und französischer Baufirmen sowie eine Vielzahl von deutschen, französischen und ausländischen Arbeitern, um die Bunker in Rekordzeit zu errichten. Das Vichy-Regime stellte 30 000 Flüchtlinge des Spanischen Bürgerkriegs, 10 000 ausländische Juden aus den Internierungslagern und 25 000 koloniale Kriegsgefangene zur Verfügung. Insgesamt baute die Organisation Todt fünf gewaltige U-Bootbunker in den französischen Atlantikhäfen, die auch den französischen Firmen große Gewinne eingebracht haben.

Ab 1942 begann die Organisation Todt den Atlantikwall zu bauen. Nach einer missglückten Landung alliierter Truppen in Dieppe ordnete Hitler im August 1942 an, 15 000 Bunker an den Atlantikküsten von Norwegen bis Spanien zu bauen, um einen alliierten Angriff abwehren zu können. 1943 wurde Generalfeldmarschall Erwin Rommel mit dem Ausbau beauftragt, und bis 1944 baute die Organisation Todt an der 5 000 Kilometer langen Atlantikküste in Europa über 8 000 Bunker für Geschütze und Mannschaften.

Bei ihren Projekten in Frankreich setzte die Organisation Todt neben kolonialen Zwangsarbeitern auch Freiwillige aus Nordafrika ein:  15 000 Algerier und Marokkaner wurden mit Hilfe des Vichy-Regimes in Nordafrika angeworben und auf den deutschen Baustellen in Frankreich eingesetzt.

Für die Unterbringung der Arbeiter betrieb die Organisation Todt zahlreiche Lager in der besetzten Zone. Sie sind nur wenig bekannt, da die Todt ihre Akten vernichtet hat. In der Region von Bordeaux zum Beispiel betrieb die Todt 17 Lager für 8 000 Arbeiter. Bei Cherbourg wurden 13 000 Arbeiter in dreißig Lager untergebracht: darunter befanden sich drei tausend Nordafrikaner. Die brutalsten Arbeitslager befanden sich auf den englischen Kanalinseln und an der französischen Kanalküste, wo mehrere tausend sowjetische und jüdische Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Über sieben hundert sowjetische Zwangsarbeiter fanden auf der Insel Alderney den Tod, und die Juden wurden nach den Bauarbeiten nach Auschwitz deportiert.

Auch in den Frontstalags herrschten schwierige Arbeits- und Lebensbedingungen Anfang 1941 brach eine Tuberkulose-Epidemie in den Lagern aus, und bis Kriegsende starben fast 5 000 Kolonialsoldaten. Im Winter 1941 erwirkte das Vichy-Regime eine Überstellung der Tuberkulosekranken in die wärmere unbesetzte Zone. Rund 16 000 Indochinesen und Madagassen wurden daraufhin in südfranzösische Lager überführt.

Indigene Zwangsarbeit in der Südzone

Doch auch in der Südzone wurden die entwaffneten Kolonialsoldaten nicht entlassen, sondern in Lagern interniert und in der Wirtschaft eingesetzt. Ursprünglich sah das Vichy-Regime vor, sie zurück in die Kolonien zu schicken, doch der Arbeitskräftemangel in der Südzone führte zu ihrem Einsatz in der Landwirtschaft. Da die Nachfrage gering war, senkte das Vichy-Regime ihren Sold auf einen Franc pro Tag, und bedürftige Familien erhielten kostenlos einen Kolonialsoldaten.

Als Ende 1942 das Dritte Reich auch die Südzone besetzte, stellte das Vichy-Regime 10 000 Kolonialsoldaten der Organisation Todt und der Wehrmacht zur Verfügung. Sie wurden beim Bau von Bunkern des Südwalls eingesetzt, eine Verteidigungslinie an der gesamten Mittelmeerküste Frankreichs. Als die Alliierten im August 1944 in der Provence landeten, waren 500 Bunker des Südwalls fertiggestellt.

Einige Berichte der französischen Armee belegen, dass die Kolonialsoldaten auch in der Südzone schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgesetzt waren. Eine Kompanie war Tag und Nacht in einer Aluminiumfabrik eingesetzt, alle beklagten sich über die schlechte Ernährung, und manche verweigerten die Zwangsarbeit. Viele Kompanien waren tuberkulös, einige litten an der Pottschen Krankeit, einer Verformung der Wirbelsäule. Anfang 1944 konstatierte die französische Armee in der Südzone 600 Todesfälle.

Zu den deutschen Lagern dagegen hatten die französischen Behörden keinen Zugang. Auf den deutschen Baustellen waren sie den alliierten Bombardierungen ausgesetzt, in einigen Kompanien kam es zu Aufständen. Rund 5 000 Kolonialsoldaten sind aus den Lagern geflohen und haben sich der Résistance angeschlossen.

Die 16 000 Kolonialsoldaten waren nicht die einzigen Zwangsarbeiter in der Südzone: das Vichy-Regime hatte auch 25 000 Arbeitslose, 40 000 Ausländer und 20 000 Vietnamesen in Arbeitskommandos zwangsrekrutiert. Bereits 1939 hatte die französische Kolonialverwaltung in Indochina Arbeiter zwangsrekrutiert und ins Mutterland verschifft. Jede Familie im Südvietnam musste einen ihrer zwei Söhne zur Verfügung stellen, sonst landete der Familienvater im Gefängnis.

Die über einmonatige Reise verbrachten die jungen Männer im Frachtraum: zwischen 1939 und 1940 erfolgten fünfzehn Transporte von Saigon nach Marseille mit 20 000 Arbeitern. In Marseille wurden sie in 73 Kompanien eingeteilt und anschließend in Munitionsfabriken im ganzen Land verteilt. Sie wurden im Drei-Schicht-Betrieb beim Befüllen von Munition eingesetzt und in zahlreichen Arbeitslagern untergebracht.

Mit der Niederlage Frankreichs wurden die meisten Kompanien in die Südzone evakuiert. 4 000 Indochinesen konnten in ihre Heimat geschickt werden, aber die britische Seeblockade  beendete die Rücktransporte. Der Rest verblieb in Auffanglagern im Süden Frankreichs. Bis zum Kriegsende starben rund tausend Arbeitern in diesen Lager, an Tuberkulose, Arbeitsunfällen, Bombardierungen und Selbstmorden. Die indochinesischen Arbeiter wurden erneut in Fabriken und in der Landwirtschaft eingesetzt, wo sie nur einen Bruchteil des französischen Lohns verdienten.

Vier Kompanien wurden bei der Salzgewinnung in der Camargue eingesetzt, und um ihre Ernährung zu garantieren, begann das Vichy-Regime mit einigen Kompanien einen Reisanbau in der Camargue, der auch heute noch jährlich 75 000 Tonnen Reis produziert.

Als Ende 1942 die Wehrmacht auch die Südzone besetzte, überstellte das Vichy-Regime rund 2 000 Indochinesen an die Organisation Todt für den Bau des Südwalls. Ein ehemaliger Aufseher berichtet, dass die Organisation Todt unter Zeitdruck stand und die Arbeiter dementsprechend bei der Arbeit getrieben wurden. Das Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung dagegen entwickelte sich positiv: 1946 verzeichnete die Regierung über hundert vietnamesisch-französische Ehen.

Nach der Befreiung Frankreichs blieb den Vietnamesen eine Rückkehr in  die Heimat verwehrt: Ho Chi Min hatte im September 1945 die Unabhängigkeit Vietnams erklärt und der Indochinakrieg machte eine Rückkehr unmöglich. Die Vietnamesen verblieben in ihren Lagern, wo jede politische Tätigkeit von den Behörden streng verfolgt wurde. Erste 1952 konnten die letzten Vietnamesen in ihre Heimat zurückkehren, rund tausend entschieden sich in Frankreich zu bleiben. In Frankreich macht zurzeit eine Wanderausstellung sowie ein Spielfilm auf das Schicksal der Indochinesen während des Zweiten Weltkriegs aufmerksam.

Zwangsarbeit im französischen Kolonialreich

Die Zwangsarbeit in den französischen Kolonien selbst ist bislang nur wenig erforscht. Das Vichy-Regime machte von der Zwangsarbeit in großem Maße Gebrauch: Auf Madagaskar wurden 90 000, in Westafrika über 300 000 Zwangsarbeiter rekrutiert.

Das größte Projekt des Vichy-Regimes war ein alter kolonialer Traum Frankeichs: eine Eisenbahn quer durch die Sahara bis nach Dakar. Die Transsahara-Eisenbahn sollte Nordafrika mit Westafrika verbinden und so Truppen und Rohstoffe ins Mutterland trans­portieren.  Der Plan sah vor eine 2 600 Kilometer lange Eisenbahn quer durch die Wüste bis nach Bamako zu bauen. Der zweite Abschnitt sollte Bamako mit Dakar verbinden. Doch die Arbeiten waren mit technischen Problemen und hohen Kosten verbunden: bis Kriegsende wurden nur 160 Kilometer gebaut, und nach dem Krieg wurde das Projekt als technischer Unsinn verworfen.

 Um diese Eisenbahnlinie zu bauen, schuf das Vichy-Regime in Nordafrika zahlreiche Internierungs- und Arbeitslagern für Kolonialsoldaten, Europäer und Juden. Rund 3 000 aus Frankreich deportierte Kolonialsoldaten und 5 000 spanische Flüchtlinge wurden Arbeitslagern entlang der Eisenbahnstrecke interniert und mussten in der extremen Hitze der Sahara an der Eisenbahn bauen. Auch in Marokko schuf das Vichy-Regime Arbeitslager im Bergbau. (DIA 28). Wenig bekannt sind auch die Arbeitslager in Tunesien: als sich das Afrikakorps Anfang 1943 nach Tunesien zurückzog, zwang die Wehrmacht 5 000 tunesische Juden Befestigungsanlagen  zu bauen, um die anrückenden Alliierten zu stoppen.

Die Transsahara-Eisenbahn sollte ein anderes koloniales Großprojekt Frankreichs in Westafrika verbinden, das Bewässerungsprojekt des Niger-Deltas im heutigen Mali. Das so genannte „Office du Niger“ begann 1932 mit dem Ziel in 50 Jahren eine Million Hektar (die Hälfte Hessens) des Nigerdeltas künstlich zu bewässern, um Baumwolle für das Mutterland und Reis für die einheimische Bevölkerung zu produzieren.

Ab 1932 wurden von Zwangsarbeitern mehrere Kanäle gebaut, und während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Staudamm in Markala fertiggestellt und 6 000 Landwirte zwangsangesiedelt. Um die neuen Anbauflächen zu bewirtschaften, plante Vichy 72 000 Landwirte unter Zwang in die Region umzusiedeln. Das Projekt blieb ein Fehlschlag: 1947 waren nur 47 000 Hektar bewirtschaftet, und tausende Landwirte flohen aus der Region. Der Staudamm in Markala ist heute ein Mahnmal für die Zwangsarbeit unter der französischen Kolonialherrschaft.

Das Ende der kolonialen Zwangsarbeit

Das Ende des Zweiten Weltkriegs läutet auch das Ende des französischen Kolonialreichs ein. Die Niederlage Frankreichs 1940 zeigte den Kolonialvölkern, dass die „Grande Nation“ nicht unbesiegbar war. Die heimkehrenden Kolonialsoldaten trugen die Ideen des Nationalismus und der Unabhängigkeit in die Kolonien. 1944 wurde ein Aufstand in Thiaroye im Senegal blutig niedergeschlagen.

Am 8. Mai 1945 wurde in der algerischen Stadt Sétif aus der Feier zur Befreiung ein Massaker mit Tausenden von Toten: diese Unruhen wurden der Beginn des Algerienkriegs. Im gleichen Jahr verkündete Ho Chi Min die Unabhängigkeit Vietnams: es wurde der Beginn des Indochinakriegs.

1946 schaffte General de Gaulle die Zwangsarbeit in den Kolonien ab. Doch noch ein Jahr später kam es zu schweren Aufständen in Madagaskar. Bei all diesen Unabhängigkeits-bewegungen im französischen Kolonialreich spielte - so unsere These - die Erfahrung der systematischen Zwangsarbeit eine zentrale Rolle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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