"Rotspanier"

 

Vergessene Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges

Ein europäisches Wanderausstellungsprojekt

 

 

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Einführung

 

Das Phänomen der Zwangsarbeit im Dritten Reich hat die Geschichtswissenschaft in den letzten Jahrzehnten stark beschäftigt und zu einer Fülle an Literatur, Ausstellungen und Kolloquien geführt.  Heute ist die zentrale Rolle der Zwangsarbeit für die nationalsozialistische Kriegswirtschaft ausführlich erforscht und das Schicksal der 13 Millionen Zwangsarbeiter fest im Bewusstsein der deutschen Gesellschaft verankert. Doch die Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg ging aber weit über das Deutsche Reich hinaus: Über 20 Millionen Europäer mussten auch von Brest bis Nordafrika, vom Nordkap bis Weißrussland für das NS-Regime und seine Verbündeten Arbeit leisten. Das Thema der Zwangsarbeit in den besetzten Ländern ist weit weniger bekannt und bleibt von der Forschungs- und der Erinnerungskultur des jeweiligen Landes stark abhängig. Eine bislang nicht systematisch erforschte Gruppe von Zwangsarbeitern sind die spanischen Bürgerkriegsflüchtlinge, die vom NS-Regime als “Rotspanier” bezeichnet wurden.

 

Thema der Ausstellung

Am Ende des Bürgerkrieges im Winter 1939 suchen eine halbe Million Spanier aus Angst vor den Truppen Francos Zuflucht über die Pyrenäen. Die “Rotspanier” sind in Frankreich nicht willkommen und werden in improvisierten Auffanglagern interniert. Die Mehrheit der Flüchtlinge kehrt in den nächsten Monaten nach Spanien zurück, ein Teil emigriert nach Südamerika. Als die Wehrmacht im Mai 1940 Frankreich besetzt, ist das Schicksal der verbleibenden 140.000 politischen Flüchtlinge aus Spanien besiegelt: Vier Jahre lang werden sie Opfer von Lagerhaft, Deportation und Zwangsarbeit, sowohl für das Vichy-Regime als auch für das NS-Regime, in Frankreich, in Deutschland, auf den Kanalinseln und in Nordafrika. Die Geschichte der 10.000 Spanier, die in deutsche Konzentrationslager deportiert wurden, ist gut erforscht und im Gedächtnis der spanischen Bevölkerung verankert. Die Geschichte der weiteren 70.000 Rotspanier, die von 1940 bis 1945 Zwangsarbeiter für NS-Regime und für das Vichy-Regime waren, bleibt dagegen bis heute wenig erforscht, und die Erinnerung an ihr Schicksal verblasst sowohl in Frankreich wie auch in Spanien.

Stand der Forschung

Die Erforschung der Zwangsarbeit bei der Organisation Todt ist bis heute ein Desideratum. Die deutsche Geschichtsschreibung klammerte bislang das umfangreiche Lagersystem der Organisation Todt im besetzten Frankreich aus und erwähnt ihre Zwangsarbeiter (spanische Flüchtlinge, Kriegsgefangene aus der Sowjetunion, jüdische Exilanten, Antifaschisten aus Deutschland) nur am Rande. Die französische Historiographie dagegen konzentrierte sich lange Zeit auf den Arbeitsdienst der Franzosen im Reich (STO) und beschränkt sich auf das Engagement der Rotspanier in der Résistance. Und in Spanien fokussiert die Forschung bis heute auf die Rotspanier in den deutschen Konzentrationslagern und hat ihre Zwangsarbeit für das NS-Regime und für das Vichy-Regime als eigenständiges Thema noch nicht entdeckt. So bleiben die Kenntnis und die Erinnerung des Schicksals der Rotspanier im Zweiten Weltkrieg, die Lagerhaft in Frankreich und Zwangsarbeit, sowohl für das Dritte Reich als auch für Vichy erlebt haben, in allen drei Ländern nahezu unbekannt. Ihre Geschichte erweist sich somit als ein europäisches Thema.

Aufgabe des Projektes

Das Ausstellungsprojekt macht es sich zur Aufgabe, diese transnationale Geschichte der spanischen Flüchtlinge, die für Pétain und Hitler in Frankreich und in Deutschland, auf den britischen Kanalinseln und im kolonialen Nordafrika Zwangsarbeit leisten mussten, wissenschaftlich aufzuarbeiten und sowohl der Fachwelt als auch einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das Projekt “Rotspanier und Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg” bietet umfangreiches Material für mehrere Themenkomplexe, deren Interesse weit über das spanische Spezifikum hinausgeht:

  • Die Rolle der Zwangsarbeit bei der Organisation Todt. Bisher haben die wenigen Studien zu dieser kriegswichtigen NS-Behörde den Einsatz von Zwangsarbeitern unzureichend erforscht.

  • Die Arbeitslager der Organisation Todt in Frankreich. Die mehr als hundert OT-Lager an der Atlantikküste für Franzosen, Rotspanier, Juden, Kolonialsoldaten und Sowjet-Gefangene sind bislang nicht systematisch erfasst.

  • Die Arbeitslager des Vichy-Regimes. Die über zweihundert Arbeitskommandos (GTE) mit 30.000 Rotspanier und deutschen sowie polnischen Exilanten, die auch in Nordafrika und in der deutsch besetzten Zone entstehen, sind bislang weitgehend unbekannt.

  • Bunker als Erinnerungsorte. In Frankreich erinnern zahlreiche U-Bootbunker und Befestigungen an die Besatzungszeit und die Zwangsarbeit. 

  • Die Entschädigung der Zwangsarbeit. Weitgehend unbekannt ist eine erfolgreiche Sammelklage in den 1960er Jahren, die die Rotspanier zu den ersten ausländischen Zwangsarbeitern des Dritten Reiches macht, die von der Bundesrepublik entschädigt wurden.

  • Die Erinnerung in Spanien an die Exilanten in Frankreich nach 1945. Die spanische Demokratie tut sich bis heute sehr schwer mit der Verarbeitung der Franco-Diktatur, und ganz besonders mit den politischen Flüchtlingen des Bürgerkriegs.

Ziel des Projekts

Ziel des Projektes ist eine dreisprachige Wanderausstellung (deutsch, französisch und spanisch), begleitet von einem Internetauftritt mit einer umfangreichen Datenbank aller spanischen Zwangsarbeiter und all ihrer Arbeitslager in beiden Zonen Frankreichs und in Nordafrika. Darüber hinaus soll eine Konferenz zur Zwangsarbeit der Rotspanier im Zweiten Weltkrieg veranstaltet werden, aus der eine Publikation resultieren soll.

Die Koordinatoren des Projekts sind die Historiker Dr. Antonio Muñoz Sánchez, Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Lissabon, Dr. Peter Gaida, Autor mehrerer Studien zur Zwangsarbeit in Frankreich im Zweiten Weltkrieg, und Dr. Jean-Francois Berdah, Professor an der Universität Toulouse.

Ausstellungsplan

  1. Flüchtlinge aus Spanien

  2. Arbeitssoldaten der Republik

  3. Sklavenarbeiter im Dritten Reich

  4. Arbeitskommandos für Vichy

  5. Sträflinge in Nordafrika

  6. Zwangsarbeiter der Organisation Todt

  7. KZ-Häftlinge auf den Kanalinseln

  8. Exilanten in Frankreich

 

 

 

 

 

 

 

 

CTE in Frankreich

 

 

GTE in Frankreich

 

 

Lager in Frankreich

 

 

GTE fuer Juden

 

 

GTE in Nordafrika

 

 

OT in Europa

 

 

OT in Frankreich


© Peter Gaida 2018