Peter Gaida

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„Nationen und Nationalismus“ von Eric J. Hobsbawm [1] [1]

 

Der englische Historiker Eric J. Hobsbawm beschäftigt sich in seinem 1990 erschienenen Werk mit dem politischen Begriff der Nation und versucht aufzuzeigen, dass der Nationalismus ein modernes historisches Phänomen ist, der seit dem 18. Jahrhundert mit der Entstehung der „Nationalstaaten“ über die „nationalen Bewegungen“ im 19. Jahrhundert bis zum „Nationalitätsprinzip“ im 20. Jahrhundert drei Phasen der Entwicklung durchlaufen hat und nun am Ende des 20. Jahrhunderts in einer „übernationalen“ Welt an Bedeutung verliert.

Die Entstehung der meisten Nationen basiert für Hobsbawm in Anlehnung an den englischen Sozialphilosophen E. Gellner auf der seit dem 19. Jahrhundert dominierenden Ideologie des Nationalismus, der für jede Nation einen eigenen Staat fordert. Für E. Gellner ist der Nationalismus „eine Form des politischen Denkens, die annimmt, dass soziale Bindungen von kulturellen Übereinstimmungen abhängen“ und dementsprechend eine Übereinstimmung (Ehe) von Macht (Bräutigam) und Kultur (Braut) herbeizuführen versucht. Während agrarisch strukturierte Gesellschaften keinen Nationalismus kannten, setzte sich mit der Bildung zentralistischer Staaten, der Entwicklung moderner Hochkulturen und der Industrialisierung der Nationalismus in Europa durch und kann in vier verschiedene Zonen eingeteilt werden: die erste Zone am Atlantik umfasst die frühe Verbindung dynastischer Staaten mit einer eigenen Hochkultur (Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien), Zone zwei in Mitteleuropa (Deutsches Reich, Italien) entwickelte Hochkulturen, die jedoch bis zur nationalen Einigung auf einen eigenen Staat warten mussten; in Zone drei in Osteuropa (Donaumonarchie, Osmanisches Reich, Zarenreich) mussten sowohl nationale Staaten als auch nationale Kulturen erst entwickelt werden, und schließlich Zone vier (Sowjetunion, Jugoslawien), in der eine internationalistische Doktrin nationale Kulturen unterdrückte.[2][2]

Hobsbawm beschäftigt sich zunächst mit der Geschichte des Begriffs „Nation“ und den Kriterien für seine Definition (Territorium, Volkszugehörigkeit, Kultur, Religion, Sprache), um festzustellen, dass keins der Kriterien ein zwingendes Merkmal für eine Nation darstellt. Der Begriff „Nation“ leitet sich aus dem lat. natio („Volk, Stamm“) ab und bezeichnete im Mittelalter nur die ethnische Abstammung von Gemeinschaften, etwa von Kaufleuten in Handelsstädten oder Studenten an Universitäten. Erst seit der Französischen Revolution entwickelten sich aus dynastischen Königreichen (Spanien, Frankreich, Großbritannien) selbständige Nationalstaaten mit einem gemeinsamen Territorium, in denen ein „Staatsvolk“ die Souveränität erlangte und durch eine Staatsbürgerschaft einer Nation angehörte: Aus dem Begriff der „Nation“ als ethnische Einheit wurde eine politische Einheit (Nation = Staat = Volk). Die Staatsbürger bildeten jedoch kein homogene Gruppe, sondern bestanden weiterhin aus sprachlichen und kulturellen Minderheiten die nun in einer politischen Einheit zusammenlebten (Ausnahme: Portugal).

Bis zum Beginn des 19. Jahrhundert wurde für Hobsbawm die Nation also in erster Linie als ein gemeinsames Territorium definiert. Erst mit der Industrialisierung und der Entstehung von Volkswirtschaften entwickelten liberale Ökonomen wie A. Smith oder F. List eine moderne Definition der Nation als Kritik des den Welthandel behindernden Merkantilismus. Hauptkriterium für eine Nation wurde eine ausreichende Größe, um sich wirtschaftlich behaupten zu können, und dementsprechend wurde ein „Schwellenprinzip“ definiert, wonach kleinere Nationen in größeren Wirtschafteinheiten durch Einigung (Deutsches Reich, Italien) aufgingen sollten, um überleben zu können. Voraussetzung der Nationwerdung eines Volkes war in der liberalen Vorstellung seine historische Verbindung an ein bestehendes Staatsterritorium, die Existenz einer kulturellen Elite mit einer einheitlichen Verkehrssprache und der Fähigkeit zur Expansion. Für das daraus formulierte „Nationalitätsprinzip“ waren andere Kriterien wie Volkszugehörigkeit, Sprache oder Kultur weiterhin unbedeutend. Die Nation wurde - nach ihrer Konstituierung als politische Einheit - nun von der liberalen Ideologie des frühen 19. Jahrhunderts als eine wirtschaftliche Einheit angesehen.  

Im Laufe des 19. Jahrhunderts gewann schließlich eine kulturelle Definition der Nation eine zentrale Bedeutung. Basierend auf überregionalen Identifikationen („Protonationalismus“) der ländlichen Bevölkerungen mit Kirche und Königtum seit dem Mittelalter („Heiliges Russland“) wurden sprachliche, ethnische oder religiöse Definitionen formuliert. Eine zentrale Rolle spielte hierbei die Entstehung von „Nationalsprachen“. Bis zur Neuzeit gab es in den Nationalstaaten nur Verkehrssprachen (Latein) in denen Sprecher verschiedener Regionalsprachen oder Dialekte miteinander kommunizierten. Erst mit der (wie in Frankreich im Edikt von Villeriers-Cotterêts 1539) politisch motivierten Erhebung  eines Dialekts oder einer Regionalsprache zu einer landesweiten Bildungs- und Verwaltungssprache (Kastilisch, Franzisch, Midlands, Hochdeutsch) und ihrer schriftlichen Fixierung entstanden neue „Nationalsprachen“, die zunächst nur von politischen und wirtschaftlichen Eliten gesprochen wurden, während der Grossteil der ländlichen Bevölkerungen weiterhin nur ihre Dialekte sprach oder zweisprachig wurde: Erst Ende des 19. Jahrhunderts führte die Einführung der Schulpflicht zur Verbreitung von „Nationalsprachen“ und damit zu einer wachsenden nationalen Identifikation.

Die meisten Nationalsprachen sind somit ein Kunstprodukt. Für Hobsbawm ist die Berufung auf eine Nationalsprache letztendlich das Produkt eines „philologischen Nationalismus“, der eine Einheit von Sprache und Volk voraussetzt und vor allem von dem deutschen Philosophen J. G. Herder in dem Begriff des „Volksgeistes“ in Ablehnung der kulturellen Dominanz Frankreichs geprägt wurde. Neben der Sprache erweist sich auch die Berufung auf eine gemeinsame Volkszugehörigkeit aufgrund der ethnischen Heterogenität der modernen Nationalstaaten durch Bevölkerungswanderungen als haltlos und dient vor allem der Abgrenzung von anderen Bevölkerungsgruppen in einem Staat, z. B. in Form des Antisemitismus oder des Rassismus. Die Verbindung einer Religion mit einer Nation (Polen/Irland) dagegen kann für ein Nationalgefühl durch Rituale und Symbole (Ikonen) als ein Wegbereiter nationaler Gefühle betrachtet werden, doch erweisen sich die Weltreligionen aufgrund ihres universellen Charakters als kein allgemeines Charakteristikum einer Nation, da z. B. der Islam in keinem arabischen Staat die Grundlage der Nationsbildung darstellte. Auch das „Nationalvolk“ erweist sich somit als eine Konstruktion.

Weit wichtiger als die kulturellen Zugehörigkeitsgefühle der Völker Europas war für die Entstehung der modernen Nationen der staatliche Nationalismus. Der neuen Nationalstaaten wurden nach der Französischern Revolution zusammenhängende Territorien mit festen Landesgrenzen, einer unmittelbaren Herrschaft, einer einheitlichen Verwaltung und Gesetzgebung. Die Auflösung alter sozio-politischer Bindungen, bei der aus Untertanen eine Gemeinschaft von Staatsbürgern wurden, erforderte ein neues Bindeglied zwischen dem Staat und seinem „Staatsvolk“, das nun in Volkszählungen, in Geburts-, Heirats- und Sterberegistern erfasst wurde, durch gewählte Vertreter mehr Mitspracherecht bekam und als Steuerzahler und Wehrpflichtige an Bedeutung gewann: den Staatspatriotismus. Die Grundschule, der Wehrdienst und Entwicklungen im Transport- und Kommunikationswesen (Eisenbahn, Telegraph) erlaubten es den Nationalstaaten, seinen Staatsbürgern eine Identifikation mit der Nation zu vermitteln, um so seine Legitimität zu erhalten und eine kulturelle Homogenisierung seiner Einwohner zu erreichen: Für Hobsbawm wurde die Nation letztendlich durch nationale Sprachen, Stätten, Gebräuche, Hymnen und Symbole im 19. Jahrhundert „erfunden“.

Ein wesentliches Problem stellte jedoch die Verbindung von Nation mit Sprache vor allem in Vielvölkerstaaten dar. Während Nationalstaaten wie Frankreich sprachliche Minderheiten ignorieren konnten, da die Nationalität nur durch die Staatsbürgerschaft definiert wurde, standen Vielvölkerstaaten wie Österreich-Ungarn mit großen Minderheiten einem wachsenden sprachlichen Nationalismus gegenüber, der die Sprache nach Herder als „Seele einer Nation“ ansah und für seinen Erhalt als Sprach- und Kulturgemeinschaft kämpfte. Bis zum Ende des 19. Jahrhundert gewann die „nationale Frage“ durch den Einfluss der Romantik an zentraler Bedeutung und mündete in nationalen Einigungen (Italien 1861, Deutsches Reich 1871) und neuen Reichsgründungen (Griechenland 1827, Belgien 1830, Rumänien 1881, Serbien 1882, Norwegen 1905, Bulgarien 1908, Finnland 1917), während in bereits bestehenden National- und Vielvölkerstaaten erst neue nationale Bewegungen entstehen (Ukrainer, Kroaten, Slowenen, Serben, Balten, Flamen, Basken, Waliser, Katalanen, Juden etc.)

Anfang des 20. Jahrhunderts gewinnt die „nationale Frage“ in ganz Europa eine zentrale Bedeutung und erlebt in dreierlei Hinsicht eine Wandlung:  das „Schwellenprinzip“ wird aufgegeben, und jede Nationalität fordert nun einen eigenen Staat; die Sprache und die ethnische Zugehörigkeit werden die einzigen Kriterien der Nationalität; und schließlich wandelt sich der Nationalismus zu einer rechten politischen Bewegung. In den etablierten Nationalstaaten erleben die kleinbürgerlichen Schichten mit der Entstehung sozialistischer Bewegungen, getragen von einer neuen traditionslosen Arbeiterklasse, den Einbruch der Moderne als revolutionäre Bedrohung, auf den sie unter dem Einfluss des darwinschen Evolutionismus mit der Gleichsetzung von Nation und „Rasse“ reagieren. Im Zuge der Demokratisierung der Politik wird der Nationalismus zu einer Massenideologie der kleinbürgerlichen Schichten und nimmt imperialistische, rassistische und antisemitische Züge an. Für Hobsbawm schließen sich jedoch die „nationale Frage“ und die „soziale Frage“ nicht gegenseitig aus, sondern werden von den politischen Bewegungen miteinander verknüpft und finden so den Zuspruch sowohl der Arbeiterklasse als auch des Kleinbürgertums, die gemeinsam zur Verteidigung des „Vaterlandes“ in den Ersten Weltkrieg ziehen.

Nach dem ersten Weltkrieg erreicht das „Nationalitätsprinzip“ durch die Wilsonsche Friedenspolitik mit der Formel des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ seinen Höhepunkt und verhilft den Völkern der zerfallenen Vielvölkerstaaten (Donaumonarchie, Osmanischen Reich) zur nationalen Unabhängigkeit (Polen 1918, Tschechoslowakei 1919, Ungarn 1919, Türkei 1923, Jugoslawien 1929), ohne jedoch die Minderheitenprobleme in Osteuropa lösen zu können, oder, wie in der Türkei nur mit dem Massenmord von Minderheiten (Armenier). In den westlichen Nationalstaaten entwickelt sich der Nationalismus durch wirtschaftliche Krisen und moderne Massenmedien zum Faschismus (Deutschland, Italien), der zu ideologischen Konflikten mit dem sich ausbreitendem Sozialismus seit der Russischen Revolution führt (Spanischer Bürgerkrieg), während sich kleine Minderheiten ohne Staat (Katalanen, Basken, Flamen) nach dem Vorbild Irlands (Unabhängigkeit 1922) in Form des Separatismus radikalisieren.

Im Zweite Weltkrieg schließlich, in dem die Fronten zwischen Staaten und Klassen verlaufen,  finden der kleinbürgerliche Nationalismus und der revolutionäre Sozialismus im Faschismus einen nationalen Feind und kämpfen gemeinsam im antifaschistischen Widerstand für die „nationale Befreiung“. Seinen Höhepunkt findet der Nationalismus schliesslich im rassistischen Nationalsozialismus, der mit Zwangsvertreibungen und Massenmord ein homogenes „Reich“ zu schaffen versucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliert der Nationalismus in Westeuropa an Bedeutung und weicht einer zunehmenden übernationalen Integration (Europäische Gemeinschaft), während die kommunistischen Regime in Osteuropa nationale Bewegungen unterdrücken (Polen, Ungarn, Tschechoslowakei, Balten) oder bändigen (Jugoslawien).

Eine weitere Folge des „Selbstbestimmungsprinzips“ seit dem Ersten Weltkrieg ist der Beginn nationaler Befreiungsbewegungen in Afrika und Asien (Panafrikanismus, Panarabismus), die den europäischen Nationalismus als „geistigen Import“ übernehmen und gegen den Kolonialismus richten. Der außereuropäische Nationalismus ist jedoch ohne nationale Grundlagen, da nur wenige antikoloniale Bewegungen (Ägypten, China) mit einer politischen oder ethnischen Gruppe zusammenfielen. Nach der Entkolonialisierung Afrikas und Asien ab 1945 waren die neuen Staatsgründungen in den seltensten Fällen homogene „Nationen“, sondern wurden innerhalb der alten Kolonialgrenzen geschaffen, in der Folge von sozialen Revolutionen erschüttert und der Intervention ausländischer Mächte (Vietnam, Korea) ausgesetzt. Die Folgen waren und sind bis zum heutigen Tag territoriale Abspaltungen (Indien/Pakistan), ethnische Konflikte (Sudan) und separatistische Bewegungen (Sri Lanka). Nach dem Nationalismus in den postkolonialen Ländern Afrikas und Asien erlangte der Fundamentalismus eine gewisse Bedeutung, da er desorientierten Massen in willkürlich entstandenen Staaten universelle Wahrheiten auf einer religiös-historischen Traditionen und Bräuchen anbietet. Er wird jedoch nur von Regimen (Iran) getragen, ohne die ethnische Zugehörigkeit ersetzten zu können.

Am Ende des 20. Jahrhunderts schient der Nationalismus schließlich seine Antriebskraft für die historische Entwicklung verloren zu haben. Alle Staaten der westlichen Welt, der postkommunistischen Regime in Osteuropa und die entkolonialisierten Staaten der „dritten Welt“ sind heute Nationen, auch wenn für Hobsbawm von über 170 Staaten nicht mehr als ein Dutzend als sprachlich und ethnisch homogen angesehen werden können. In Westeuropa verbleiben nur noch wenige nationalen Bewegungen (Basken, Korsen, Nordiren, Schotten, Katalanen), die durchweg separatistisch sind, jedoch in Gesellschaften mit kultureller Freiheit und Pluralismus aufgehen und in Zeiten einer wachsenden politischen und wirtschaftlichen Integration auf regionaler und übernationaler Ebene anachronistisch erscheinen. Und auch der Zusammenbruch des letzten Vielvölkerreiches Sowjetunion hat keine nationalistischen, sondern wirtschaftliche Ursachen, und der neue Nationalismus in den osteuropäischen Staaten basiert auf den gleichen nationalen Fragen der Nachkriegsordnung von 1918 (Lettland 1918, Litauen 1920, Estland 1920, Jugoslawien 1929, Tschechoslowakei 1919), während Jugoslawien den Nationalismus innerhalb seiner Grenzen bis zur seinem Zerfall (Kroatien 1991, Slowenien 1991) verzögerte.

Der schwindende Einfluss des Nationalismus in der heutigen Zeit wird sichtbar, wenn man die deutschen Einigungen von 1871 und 1990 miteinander vergleicht: während die erste eine lang erwartete Verwirklichung des deutschen Nationalismus war, spielte die nationale Einigung in der Politik der beiden deutschen Staaten keine wirkliche Rolle und war ein Nebenprodukt der Entwicklung in Osteuropa. Die Identifikation mit einer Nation hat an ihren Wirkung eingebüsst, und bereits 1972 konnten sich in einer Umfrage ein Drittel der Westdeutschen keine Vorstellung von einer „Nation“ machen. Ein zweites Indiz für den schwindenden Einfluss des Nationalismus ist die schrumpfende Bedeutung der Volkswirtschaften in einer Weltwirtschaft, in der multinationale Konzerne die Bausteine einer internationalen Arbeitsteilung geworden sind. Insgesamt hat sich die Zahl nichtstaatlicher Organisationen in den letzten fünfzig Jahren verfünffacht und lässt darauf schließen, dass internationale Systeme (UNO, IWF) in einer „übernationalen“ Welt im 21. Jahrhundert an Bedeutung gewinnen werden.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass das Werk von Hobsbawm eine neue Forschung zu einer komplexen politischen Ideologie begründet, die (neben dem Sozialismus) die Geschichte aller Staaten der letzten zwei Jahrhunderte wesentlich geprägt hat. Er präsentiert in seinem essayistischen Werk ein Kaleidoskop an Einzelwissen zum Nationalismus, um in einer theoretischen Analyse aufzuzeigen, dass die Nation letztendlich eine ideologische Konstruktion der letzten zweihundert Jahre ist. Grundlage der Nationenbildung im 19. Jahrhundert war ein ihr vorausgehender Nationalismus, der sich sprachlich, ethnisch oder religiös definierte, um eine „nationale Identität“ zu konstruieren. Je nach Ausgangslage entwarf der Nationalismus sein Produkt, die Nation, als eine politische, wirtschaftliche, oder kulturelle Einheit, obwohl sich die meisten Staaten der Welt als mehrsprachig, multikulturell und ethnisch heterogen erweisen. Nach Phasen der Wandlung von einem Gründungs-, Einigungs- und Sezessionsnationalismus bis zu seiner Radikalisierung als Faschismus und Nationalsozialismus und seiner Ausbreitung in der „dritten Welt“ hat diese Ideologie des „imaginären Wir gegen ein symbolisches Sie“ schließlich am Ende des 20. Jahrhunderts seine Anziehungskraft verloren. Über dem Nationalismus, so lässt sich mit Hobsbawm schließen, kreist bereits die „Eule der Minerva“, die sein Ende ankündigt.

 

 

 

 


 

[1] [1] Eric J. Hobsbawm: Nationen und Nationalismus. Frankfurt/Main 1992

[2] [2] Ernest Gellner: Nationalismus. Berlin 1999, S. 17