Peter Gaida

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Zur Biographie des Bremer Afrikaforschers GERHARD ROHLFS  

  Eine Gruppenarbeit von , Meike Lütkens, Werner Parusel und Peter Gaida

 

Vorwort:

Die folgende Gruppenarbeit zur Biographie von Gerhard Rohlfs entstand im Wintersemesester  1996/97 im Studiengang Geschichte der Universität Bremen im Rahmen der Lehrveranstaltung „Bremer Bürgertum 1850-1914“ unter der Leitung von Dr. Detlef Fricke. Ziel der Veranstaltung war es, einerseits die Geschichte bekannter Bremer Familien und be-rühmter Einzelpersonen nachzuzeichnen, andererseits die eigenständige Quellenarbeit der Studierenden im Archiv zu fördern.Das Resultat der Bemühungen unserer dreiköpfigen Arbeitsgruppe ist eine über fünfzigseitige Biographie, die sowohl Rohlfs´ gesellschaftliches Leben nachzuzeichnen als auch sein wissenschaftliches Wirken darzustellen versucht, ohne jedoch den Anspruch einer lückenlosen Darstellung zu vertreten. Der erste Teil beschäftigt sich mit Gerhard Rohlfs´ erstem Lebensabschnitt und resümmiert seinen Werdegang als Student in Deutschland, als Fremdenlegionär in Algerien und als Arzt in Marokko bis zu seinem 31. Lebensjahr, in dem ein neuer Lebensabschnitt als Forschungsreisender für ihn anbricht.Der zweite Teil konzentriert sich auf seine zahlreichen Forschungsreisen in Nordafrika und versucht seinen Aufstieg zum international anerkannten Wissenschaftler aufzuzeigen. Der dritte Teil schließlich zeigt Stationen seines öffentlichen und privaten Lebens in Weimar und gewährt zugleich einen gewissen Einblick in die bürgerliche Gesellschaft des deutschen Reichs am Ende des 19.Jahrhunderts. Grundlagen dieser Arbeit sind einerseits die Rohlfs-Biographie von Konrad Guenther aus dem Jahre 1912 sowie Rohlfs´ eigene umfangreichen  Schriften, andererseits auch die zahlreichen Unterlagen von und über Gerhard Rohlfs im Staatsarchiv Bremen und aus dem Heimat-und Museumsverein Vegesack und Umgebung im Schloß Schönebeck, das den Rohlfs-Nachlaß verwaltet. Den Mitarbeitern der Archive gebührt unser ausdrücklicher Dank für ihre freundliche Unterstützung.

 

Bremen, den  31.01.1997                                                                                     

Die Verfasser

 

 

 

 

1.0 Die ersten dreißig Lebensjahre

        

Friedrich Gerhard Rohlfs kam am 14. April 1831[1]  in Vegesack zur Welt, als Sohn eines dort praktizierenden Arztes. Wer die ersten 23 Jahre seines Lebens rekonstruieren will, ist nicht lediglich auf Biographien angewiesen. ( Die vermutlich älteste und mit mehr als 350 Seiten umfangreichste Biographie stammt aus dem Jahre 1912 und aus der Feder des Freiburger Universitätsprofessors Dr. Konrad Guenther[2], die wahrscheinlich jüngste von Dr. Wolfgang Genschorek, Leipzig 1982[3] ).

 

Da der gesamte Nachlaß Rohlfs’ sich im Archiv des Heimat- und Museumsvereins Schloß Schönebeck befindet, ist die Möglichkeit gegeben, die Angaben der Rohlfs - Biographien in einigen Punkten mit dem dort vorliegenden Quellenmaterial zu vergleichen. Was immer aus solchen Überprüfungen resultiert: Jugend und Adoleszenz entsprechen ganz und gar nicht dem eher bodenständigen, an Förderung des Wohlstandes orientierten Verhaltens- und Wertkodex des Bremer Bürgers, geschweige denn des bremischen kaufmännischen Großbürgertums jener Jahre.

Dem Alter des Elementarunterrichts durch einen Hauslehrer sowie der Vegesacker Bürgerschule entwachsen, besucht Rohlfs ein Gymnasium, allerdings nicht in Bremen, sondern -aus Gründen, die quellenmäßig nicht rekonstruierbar sind- im fernen Osnabrück. Von dort büxt er aus: im Sommer 1846 versilbert er seine Uhr und begibt sich, nunmehr liquide, nach Rotterdam. Seiner Mutter gelingt es, den bereits auf einem Schiff angeheuerten fünfzehnjährigen Bengel wieder zurück und auf den Pfad bürgerlicher Tugend zu holen. Das ist quellenmäßig belegt durch einen handschriftlichen Geleitbrief vom 13. August 1846[4], den ihr in Münster ein Postmeister ausstellte.[5]  ( Anlage 1 )

Nach Fortsetzung seiner Schulzeit ( wiederum auswärts, in Celle ), zieht es Rohlfs zu den Waffen: Er dient, zwanzigjährig, in der Bremer Bürgerwehr als Füsilier. Zwei ältere Brüder hatten nach Schulabschluß, in Vaters Spuren, Medizin studiert und waren im ersten deutsch - dänischen Krieg  ( April - August 1848 ) als Feldärzte in Schleswig - Holstein eingesetzt. Rohlfs folgt ihnen und tritt als Unteroffizier den Truppen  des Deutschen Bundes bei. 1850 brechen die Kampfhandlungen aufs Neue aus. Rohlfs wird wegen Tapferkeit zum Leutnant befördert. Als nach Beendigung des Konflikts die schleswig - holsteinische Armee reduziert wird, sieht Rohlfs sich am 31. März 1851 entlassen: Nahezu 21 Jahre alt, sieht er seine Pläne in bezug auf die Soldatenberuf zerronnen - zunächst.

Nun schwenkt er auf bürgerliche Lebensplanung um: In Heidelberg ist er für das Wintersemester 1851/52 immatrikuliert. Das ist durch drei Quellen belegt[6]: Das Wintersemester 1852/53 sieht ihn als Medizinstudent in Würzburg, wo er bei Virchow Anatomie belegt hat, im sagen wir, 3. Semester. Einzige vorhandene Quelle: Ein Gruß von Rohlfs’ Hand an seine Schwester vom Oktober 1852, mit einem Scherenschnitt seines Kopfes, den eine Burschenschaftsmütze ziert.[7]

In Göttingen setzt Rohlfs sein Studium fort ( Sommersemester 1853 ). Dann bricht er sein Studium ab und aus dem bürgerlichen Leben aus: Was er zwischen Sommer 1853 und Mitte März 1854 treibt, ist nicht durch reliable Quellen belegbar ( nicht einmal sein Abschlußzeugnis liegt vor; doch ist anzunehmen, daß er ohne dieses sein Studium nicht hätte aufnehmen können ).

Am 16. März 1854 schlägt er wiederum eine militärische Laufbahn ein: Fern der Heimat. Gegen ein Handgeld von 3 Florin[8]  verpflichtet er sich, fast 23 Jahre alt, beim 21. österreichischen Feldjägerbatallion für 8 Jahre. Am 07.08.1854 wird er zum Kadett, am 04.10.1855 zum Patroullienführer befördert. Doch den jungen Mann reitet der Teufel: Er desertiert aus Verona am 26.05.1855, wird einen Monat darauf von der Gendarmerie erwischt, ein Kriegsgericht brummt dem zum einfachen Jäger Degradierten ein zusätzliches Dienstjahr auf -im Dezember 1855. Nach acht Monaten desertiert er abermals, nunmehr endgültig. [9]

25 Jahre alt ist Rohlfs mittlerweile: Abgehoben von den Verdrießlichkeiten bürgerlich - zielstrebiger, erwerbsorienterter Lebensinhalte, hingezogen nach wie vor zum Kriegshandwerk und zu der Abenteuerlichkeit eines rechten Soldatenlebens- sowie zu den Lockungen der Fremde.

Beide Aspekte lassen sich koordinieren: Im Dienst der am 9. März 1831 (sic) von Louis Philippe, dem „Bürgerkönig“, ins Leben gerufene „Légion étrangère“ und im Zusammenhang mit der Kolonialisierung Nordafrikas, speziell Algeriens, seitens Frankreichs: Am 28. November 1856 läßt Rohlfs sich als Fremdenlegionär anwerben, in Colmar, am Fuße der Vogesen, für eine Dienstzeit von 7 Jahren.( Vermutlich leisteten die Werber Hilfe beim illegalen Überschreiten der Grenze. ) Er verläßt die Fremdenlegion bereits am 26. September 1860, d.h. nach nur knapp vier Dienstjahren. In diesem Punkt widersprechen die Ergebnisse der Recherchen im Rahmen der vorliegenden Arbeit sämtlichen uns vorliegenden biographischen Angaben.[10]

Rohlfs’ Biographen übergehen seine Jahre im habsburgischen und französischen Militärdienst relativ beiläufig bis unpräzise. Auch von Rohlfs selber wird berichtet, daß in späteren Jahren dieser für die Gesellschaft seiner Zeit sicherlich eher degoutant anmutende Lebensabschnitt zwischen dem Abbruch seines Studiums und seiner Entlassung aus der Fremdenlegion generell mit dem Paletot des Schweigens verhüllt worden sei.  -

In dreierlei Hinsicht sind die Angaben des „Rélève des services“ von Bedeutung: Zum ersten erfahren wir, was die Biographen nicht angeben: Daß Rohlfs nicht ausschließlich in Nordafrika, sondern ebenfalls, gut drei Monate hindurch, auf italienischem Boden eingesetzt war ( vermutlich in jenem oben bereits genannten Konflikt zwischen Frankreich/Piemont und Österreich -diesmal in Diensten der anderen Seite ).  

Des weiteren geben die Biographen ausnahmslos an, Rohlfs’ Dienstzeit in der Fremdenlegion habe volle sechs Jahre betragen[11] , während in der von uns benutzten Quelle lediglich ein Zeitraum von drei Jahren und zehn Monaten belegt ist.

Und schließlich: Alle uns bekannten Biographen berichten von einem „Concours“ in Nimes, und zwar im Jahre 1855 ( d.h. ein Jahr vor Rohlfs’ zweiter Desertation aus der österreichischen Armee ), einer Prüfung, durch deren Absolvierung Rohlfs sich, von seiner Schwester Marie finanziell unterstützt[12] , nach intensiver Vorbereitung zum Militärarzt qualifiziert habe. Die detailreiche „Rélève des services“ erwähnt diesen zweifellos verzeichnungswürdigen Umstand nicht. Das läßt allerlei Schlußfolgerungen zu. - Darüber hinaus ist erstaunlich: Die oben genannte Quelle nimmt zu den Gründen der vorzeitigen Aufhebung des Dienstvertrages keine Stellung.

Sei’s drum: Am 26.9.1860 ist Rohlfs, 29-jährig, sein eigener Herr. ( Im gleichen Jahr erwarb Ludwig Knoop, zehn Jahre älter als Rohlfs, Baron, steinreich, das Gut Mühlenthal in St. Magnus als

Sommersitz[13] ). In der Darstellung seiner Biographen begibt Rohlfs sich unmittelbar nach seiner Entlassung aus der Fremdenlegion von Oran/Algerien nach Tanger ( Abreise Oran: 07. April 1861 ). Ist unsere Quelle reliabel, dann ergibt sich jedoch ein Zeitraum zwischen dem 26. September 1860 und dem 7. April 1861, über den ungewiß bleibt, was unserer Abenteurer getrieben haben mag - immerhin über gut sechs Monate hinweg. 

Wie dem auch sei: Auf dem Seewege, als Zwischendeckspassagier, so die Biographen, reist Rohlfs von Oran/Mers-el-Kebir nach Tanger und kommt dort vier Tage später, also am 11. April 1861 an. Erforschung Marokkos? Gemach. Noch immer lockt der Reiz des Kriegshandwerks: Die Kunde hat Rohlfs erreicht, der Sultan habe im Rahmen einer Reorganisation seiner Streitkräfte Bedarf an Militärärzten: Hat Rohlfs nicht, nach eigenen Angaben, in der Legion diese Rolle - sowie die eines „Militärapothekers“ - ausgeübt? Bietet sich dem Hasardeur hier nicht eine Chance, der nachzuspüren es sich lohnt, in diesem Staat, der, äußerlich jedenfalls, souverän ist? Um sich größere Klarheit zu verschaffen, begibt sich Rohlfs zum englischen Konsul, Sir Drummond Hay, von dem vor der Reichsgründung auch die Vertretung der deutschen Hansestädte wahrgenommen wird. Rohlfs erfährt, daß seine Pläne auf kaum mehr als Gerüchten beruhen, und erhält daneben den Rat, sich als Moslem zu verkleiden, falls er auf seinen Absichten beharren wolle. Rohlfs will - er tritt eine Flucht nach vorn an, - was anders bleibt ihm schließlich übrig.  

Und nun beginnt - es verschlägt dem Betrachter den Atem - der Stern des Dreißigjährigen aufzusteigen. Rohlfs gibt sich als zum Islam konvertierter Christ aus und macht sich auf den Weg nach Uesan/Quezzan südlich von Tanger. Mittellos, denn seine Barschaft, eine 5-Pfund - Note, wird ihm gestohlen, noch bevor er Uesan erreicht. In dieser Stadt angekommen, schließt er sogleich Freundschaft mit dem dortigen Groß - Scherif, einem geistlichen Würdenträger von erheblicher Macht und hohem Rang. Dieser, etwa gleichen Alters, dem Ruhm der europäischen Aufklärung zugetan, findet Gefallen an intensiven Gesprächen mit dem Fremden, der sich Mustafa nennt und darauf hinweist, er sei Arzt. Und als solcher darf er eine ambulante Praxis betreiben, die ihn finanziell über Wasser hält. Doch bald schon verläßt Rohlfs den Palast des gastfreundlichen Groß - Scherifs und den Pavillon inmitten eines blühenden Gartens, den sein Freund ihm zur Verfügung gestellt hat. Bei sich trägt er ein Empfehlungsschreiben seines Gastgebers, der ihn nur ungern hat ziehen lassen. Es ist gerichtet an den Sultan von Marokko, der in Fes residiert, südöstlich von Uesan. Dorthin begibt sich Rohlfs. Er gewinnt umgehend die Freundschaft des Herrschers. Und was geschieht? Binnen kürzester Zeit haben die Streitkräfte Marokkos - und deren Ärzte - einen neuen Chefarzt: Mustafa alias Rohlfs.

Ein in Fes gemietetes Haus dient nebenberuflichen Aktivitäten als florierende Praxis, und das Ansehen des Fremden verbreitet sich rasch. Der Sultan verlegt seine Residenz nach Meknes, einschließlich des mittlerweile prominent gewordenen Mediziners, der dort seiner Tätigkeit mit erheblichem Zustrom von Patienten nachgeht. Rohlfs sieht seine Pläne mehr als realisiert, sein Glück gemacht: Der Teufelskerl wird Leibarzt des Sultans und in dieser Eigenschaft auch Hüter der Gesundheit des umfangsstarken sultanischen Harems. Soweit die auf Rohlfs’ Aufzeichnungen beruhende Darstellung seiner Biographen.

Orientalisches Märchen? Oder elende Schmierenkomödie? Oder hat der abgebrochene Medizinstudent, der haarsträubend taugenichtsige Aussteiger aus der bürgerlichen Lebenskonzeption[14]  seines Vaters, seiner beiden Brüder, hat der stromernde Tunegel, der Deserteur, der quacksalbende Defraudant sich und sein unstetes Leben zuguterletzt wundersam konsolidiert?

Der gelassenen Unvoreingenommenheit sei genüge getan: Dieses schlichte Raster scheint nicht das zu fassen, was dem Menschen Rohlfs - neben seiner ausgeprägten Gabe zur Selbstdarstellung - wesentlich zu eigen ist. Denn deutlich erkennbar wird eine weitere charakteristische Eigenart des Mannes: Die Fähigkeit, seine Umgebung scharf zu beobachten und seine Beobachtungen sorgfältig zu Papier zu bringen: Eingehende, ausführliche Beschreibungen der Orte, die er sieht ( bis hin zu Fragen etwa der Beschaffenheit der Kanalisation ), Beobachtungen der Lebensverhältnisse der Menschen, die in diesen Orten leben, wie auch die Zustände innerhalb der Residenz - und des Harems -, sowie des Charakters des marokkanischen Staatswesens insgesamt.

Es muß sich etwas angebahnt haben im Inneren dieses Menschen,etwas Achtunggebietendes, und diese Entwicklung treibt ihn schließlich fort von der Stätte seines unwahrscheinlichen Aufstieges zu eher billigem Ansehen und Ruhm: Rohlfs kehrt zurück nach Uesan, zum Groß - Scherif, und dort verbringt er ein volles Jahr. Nicht nur als „Arzt“: Der Autodidakt macht sich nunmehr systematisch vertraut mit der Sprache, den Sitten und Gebräuchen des Landes. Als er sich schließlich 1862 von Uesan auf den Weg zurück nach Tanger begibt, muß wohl aus dem hasardierenden Abenteurer in einem Prozeß der Reifung eben jener Mensch hervorgegangen sein, der sich bewußte Entdeckung, wenn nicht gar Erforschung zum Ziel gesetzt hat.  

Die Aufzeichnungen seiner Erlebnisse und Eindrücke am Hof des Groß - Scherifs und in der Residenz des Sultans überläßt Rohlfs jenem Mann, den er ein Jahr zuvor aufgesucht hatte, als er, von Oran kommend, Informationen zu seinen vagen Vorstellungen suchte: dem britischen Botschafter, Sir Drummond Hay.[15]  Der Lebensabschnitt des Entdeckungsreisenden bricht an - für den 31- Jährigen.

 

2.0. Die Reisen

2.1. Die erste Entdeckungsreise  

Nach einem einjährigen Aufenthalt in Uesan beschließt Rohlfs 1862, seinen Freund, den Groß - Scherif von Uesan, zu verlassen, und, da „die Zeit gekommen war“, wie er selbst bemerkt, „eine kleine Reise zu machen“[16], aufzubrechen und Marokko zu erkunden. Es wird Rohlfs erste Entdeckungsreise, die ihn für sein ganzes Leben kennzeichnen sollte.

Rohlfs beschließt, von Tanger aus die Küste Marokkos zu bereisen, doch schon bald stellen sich erste Schwierigkeiten ein: nach kurzer Zeit wird er von seinem Diener beraubt und verlassen. Seines Esels beraubt, zieht Rohlfs zu Fuß weiter ins nächste Dorf und schließt sich dort einer Karawane an, die in die Stadt Tarudant bei Agadir zieht. In Tarudant erkrankt er an einer Diarrhoe und muß, angewiesen auf die Gastfreundschaft der Bewohner, ein paar Wochen verbringen. Danach zieht er wieder mit einer Karawane in die Wüstenoase Tidikelt, wo er nur knapp seiner Hinrichtung durch die ansässige Bevölkerung entgeht: Rohlfs wird von den aufgebrachten Bewohnern der Oase beschuldigt, ein französischer Spion des „Christlichen Sultans“[17] zu sein, womit Kaiser Napoleon III. gemeint ist, und nur durch einen marokkanischen Prinzen, der als einziger Rohlfs’ deutschen Paß lesen kann, wird er vor der aufgebrachten Menge gerettet.

Dankbar für seine Rettung bleibt Rohlfs ein paar Wochen bei dem Prinzen und zieht danach in die Oase Boanan, wo ihn der  hiesige Scheich aufgrund eines Empfehlungsschreibens des Prinzen freundlich empfängt und bewirtet. Vor seiner Weiterreise macht Rohlfs jedoch einen entscheidenden Fehler, der das Interesse des Scheichs wecken wird: Er bittet den Scheich, ihm ein paar marokkanische Taler zu wechseln, da diese in Algerien, seinem nächsten Reiseziel, nichts wert sind.[18] 

In seinem Vertrauen auf die Gastfreundschaft der Wüstenbewohner geht Rohlfs danach auf den außerordentlich freundlichen Vorschlag des Scheichs ein, ihm einen Führer zur Verfügung zu stellen, der ihm beinahe zum Verhängnis wird. Nichtsahnend macht er sich mit dem Führer auf den Weg. Als er nachts lagert und sich vor dem Einschlafen über das große Lagerfeuer wundert, das der Führer entfacht hat, erreicht der Scheich heimlich das Lager und weckt Rohlfs mit einem Schuß in dessen Oberarm. Als Rohlfs seine Pistole ziehen will, schlägt der Scheich mehrmals mit dem Säbel auf ihn ein. Ohnmächtig vor Schmerz bleibt Rohlfs, seiner Habe beraubt,  allein zurück. Am nächsten Morgen wacht er wieder  auf, die rechte Hand durch den Säbel gespalten, von Wunden übersät und nur wenige Meter vom Wasserbehälter entfernt. Seine letzte Stunde scheint ihm zu schlagen. 

Drei qualvolle Tage und Nächte liegt er schwerverwundet in der Wüste und wähnt sich dem Tode nah, als ihn moslemische Mönche finden und auf einem Maultier in die nächstgelegene Oase bringen.[19] Durch die intensive Pflege der Oasenbewohner überlebt Rohlfs die Schüsse ins Bein und in den Oberarm sowie neun Säbelwunden, doch seine Finger der rechten Hand bleiben teilweise für immer steif.[20] Sobald er wieder reisefähig ist, zieht er in die französische Kolonialstadt Gernville im Südwesten Marokkos, um sich in der dortigen Garnison mehrere Wochen kurieren zu lassen.

Beinahe hätte ihn seine erste Entdeckungsreise das Leben gekostet, doch sie wird erst der eindrucksvolle Auftakt für eine Karriere, die ihn als Afrikaforscher weltberühmt machen sollte.

 

2.2. Forschungreise über das Atlasgebirge nach Tripolis  

Nach Rohlfs erfolgreicher Tätigkeit als Arzt am Hofe des marokkanischen Sultans und seiner geradezu abenteuerlichen ersten Reise beginnt seine eigentliche Karriere als Entdecker und Forscher Nordafrikas.

Ausgangspunkt  seiner Forschungstätigkeit wird der Besuch seines Bruders Hermann Rohlfs, der im Sommer 1863 nach Marokko reist, ihn am Krankenbett besucht und  zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen versucht.[21]  Nach einem kurzen Aufenthalt reist Hermann Rohlfs wieder allein nach Bremen zurück, mit den Tagebüchern seines Bruders im Gepäck. Über Hermann Rohlfs gelangen die Tagebücher in die Hände des deutschen Geographen August Petermann, der 1854 Vorstand des geographischen Instituts von Justus Perthes in Gotha wird und die Tagebücher in der Zeitschrift „Dr. Petermann’s Mittheilungen aus Justus Perthes geographischer Anstalt“ veröffentlicht.

Petermann interessiert sich für den in Marokko weilenden Verfasser und findet in ihm einen bereitwilligen  Mitarbeiter, der die Erforschung Nordafrikas mit seiner Unterstützung vorantreiben könnte. Obwohl Rohlfs über keinerlei wissenschaftlichen Erkenntnisse verfügt und den Umgang mit  Instrumenten erst lernen muß, entwirft Petermann für ihn in den folgenden Jahren zwei Reiserouten, organisiert die finanziellen Mittel und wertet die von Rohlfs zusammengetragenen Daten zu Landkarten aus.

Begeistert über die Möglichkeit, in Nordafrika wissenschaftlich arbeiten zu können und voller Ambitionen, in den Kreis seiner berühmten Vorgänger aufzusteigen, schreibt Rohlfs selbsbewußt an seine Familie: „ Ihr könnt ganz beruhigt sein, nach ein paar Jahren wird hoffentlich mein Name mit Ehren an der Seite Barths, Mungo Parks, Leo africanus usw. genannt werden.“[22]

Der deutsche Geograph Petermann ist nicht der Einzige, der sich für Nordafrika interessiert. Auch die schon seit dem 15. Jhdt. in Afrika ansässigen Handelsmächte England und Frankreich hatten an der Erforschung Nordafrikas großes Interesse. So schreibt 1863 das geographische Institut in Paris einen Preis von 8000 Francs für die Erforschung eines neuen Reisewegs in die nur wenig bekannte und sagenumwobene Stadt Timbuktu aus.[23] 

Sofort ist Rohlfs bereit, die Expedition zu unternehmen, doch fehlen ihm die nötigen finanziellen Mittel. Der angesehene Geograph Petermann, nur durch die Tagebücher auf Rohlfs aufmerksam geworden, übernimmt die Aufgabe, die Finanzierung der Reise sicherzustellen.[24]  Ausgestattet mit einer Unterstützung der geographischen Anstalt in London, einer Schenkung seines Bruders und einem Reisestipendium des Bremer Senats[25]  bricht Rohlfs im August 1863 zu seiner ersten Forschungsreise auf.[26]

Rohlfs plant, von Marokko aus das Atlasgebirge zu überqueren und dann durch die Wüste nach Timbuktu vorzustoßen. In der Wüste wird er jedoch beraubt und überschreitet als erster Europäer zu Fuß das bis zu 4000 Meter hohe Atlasgebirge. Über einen Paß überschreitet er allein den mittleren Atlas und trifft in der Oase Tafilet ein, in der ihn die dort lebenden Araber voller Respekt für seine ungewöhnliche Leistung empfangen. In einem Reisebericht schreibt Rohlfs, daß die Araber so erstaunt sind, weil sie das Atlasgebirge nur in Karawanen von 1000 bis 2000 Menschen überqueren.[27]  

Seinen ursprünglichen Plan, die Stadt Timbuktu zu erreichen, muß er jedoch wegen der Gefahr, in anhaltende Kämpfe zwischen Tuaregstämmen zu geraten, aufgeben und zieht weiter in die südlich des Atlasgebirges gelegene Oase Tidikelt. Der dort ansässige Stamm der Tuareg begegnet ihm mit Mißtrauen, man vermutet einen Christen hinter der Fassade des kahlgeschorenen und in arabische Kleidung gehüllten Europäers. Nur durch seine am Hofe des marokkanischen Sultans erworbene Autorität als Arzt gelingt es ihm, sich bei der Bevölkerung Respekt zu verschaffen. Als seine Geldreserven jedoch zur Neige gehen[28]  und das Mißtrauen der Einheimischen immer größer wird, beschließt Rohlfs mit einer Karawane zurück an die Mittelmeerküste zu ziehen und erreicht Ende 1864 die Stadt Tripolis.

Obwohl er das sich gesteckte Ziel nicht erreicht hat, wird die Reise ein wissenschaftlicher Erfolg. Rohlfs kehrt nach Deutschland zurück und liefert Petermann bei ihrem ersten Zusammentreffen seine klimatischen, geographischen und ethnographischen Daten ab. Seine Reiseberichte erscheinen in „Dr. Petermann’s geographische Mittheilungen“[29]  und stoßen auch international auf Interesse.[30]

Doch in Deutschland hält es ihn nicht lange, auf der ersten Entdeckungsreise erlittene Verletzungen machen ihm im gemäßigten Klima Nordeuropas zu schaffen.[31]  Sofort plant Rohlfs mit Petermann eine neue Reise und verläßt im Februar 1865 erneut seine Heimatstadt Bremen, um für fast zwei Jahre lang quer durch Afrika zu reisen.

 

2.3. Forschungsreise "Quer durch Afrika"

Im März 1865 trifft Rohlfs zu seiner zweiten Forschungsreise in der libyschen Mittelmeerstadt Tripolis ein. Die finanziellen Mittel stellen sich wieder aus Spenden und Stipendien zusammen. Wiederum stellt der Bremer Senat ein Reisestipendium von 300 Talern zur Verfügung[32] , sein Bruder Hermann unternimmt diesmal eine Sammlung unter Bremer Bürgern[33]  und sogar König Wilhelm von Preußen, durch Rohlfs Reiseberichte auf ihn aufmerksam geworden, stellt für zwei Jahre 1600 Taler aus seiner Privatschatulle zur Verfügung.[34]  Von Tripolis aus beginnt Rohlfs eine Reise quer durch die Sahara bis in die Stadt Lagos an der Westküste im heutigen Nigeria. Ziel der Reise wird die Erkundung der nur wenig bekannten zentralafrikanischen Regionen.

Im Mai 1865 bricht er in die im Süden Libyens gelegene Stadt Ghadames auf, wo er jedoch an Darmblutungen erkrankt und mehrere Monate verweilen muß. Danach zieht Rohlfs nach Mursuq weiter, um seine Ausrüstung zu vervollständigen und die Ankunft eines weiteren Stipendiums aus Bremen abzuwarten.[35]  Erst ein Jahr nach seiner Ankunft in Tripolis bricht er zur Durchquerung der Sahara auf, in der die Karawane von einem einheimischen Führer verlassen wird, die Orientierung verliert und nur durch einen seltenen Regen vor dem Verdursten gerettet wird.[36]

Nach drei Wochen Marsch in der Wüste erreicht Rohlfs den Tschadsee und wird in der Stadt Kuka von dem Sultan des Bornue - Reiches freundlich empfangen[37] Er bleibt mehrere Monate Gast des Sultans und unternimmt ausgedehnte Reisen in benachbarte Gebiete. Erst im Dezember bricht er nach Lagos auf  und wird im Mai 1867 von den deutschen Handelsniederlassungen am Golf von Guinea empfangen, an dem schon seit den fünfziger Jahren auch Bremer Firmen mit dem Verkauf von Waffen und Alkohol Fuß gefasst hatten, darunter die Bremer Firma Vietor. [38] Im Juli kehrt Rohlfs nach über zwei Jahren in Afrika mit dem Schiff nach Bremen zurück und wird in Deutschland für seine Pionierleistung gefeiert.

Internationale Erdkunde - Institute ehren ihn mit goldenen Medaillen, und die Veröffentlichung seiner Reiseberichte in Petermann’s Zeitschrift veranlaßt ihn zu Vortragsreisen in internationale Institute und Universitäten. Die Erlöse dieser Vortragsreisen ermöglichen ihm fortan ein materiell unbesorgtes Leben.[39] Spätestens seit seiner Reise quer durch Afrika wird er ein bekannter Afrikaforscher , wie er es sich im Brief an seine Familie gewünscht hatte, und lenkt durch die Veröffentlichung eines eigenständigen Werkes auch das öffentliche Interesse in Deutschland auf den unbekannten schwarzen Kontinent.[40]

 

2.4. Mit einer brit. Expedition nach Abessinien

Noch im gleichen Jahr, also 1867, reist Rohlfs nach Berlin. Er beleibt längere Zeit dort und trifft mit wichtigen Persönlichkeiten wie König Wilhelm I. von Preußen, der Königin Augusta und dem Hofadel zusammen, die ihm große Bewunderung entgegenbringen. Auch Fürst Otto von Bismarck interessiert sich lebhaft für den Entdeckungsreisenden.[41]  Gerhard Rohlfs muß König Wilhelm I. stark beeindruckt haben, denn noch im Herbst 1867 schickt dieser ihn zusammen mit einer englischen Strafexpedition nach Abessinien.

Der Hintergrund dieser Expedition liegt darin, daß der christliche König Theodorus von Abessinien, der sich „Negus Negesti“ nennt, sich über die aus Europa eingetroffenen Missionare aufgeregt hatte, die in einem bereits christlichen Land nichts verloren hätten. Dazu kam, daß Großbritannien seinen Antrag auf einen Vetrag gegen die Bedrohung seitens der Türkei abgelehnt hatte. Als Reaktion darauf warf König Theodorus einen englischen Gesandten ins Gefängnis.[42]

Die ganze Situation verschärft sich zusehends, auch Deutsche sind in Gefangenschaft geraten. Aus diesem Grund wird Rohlfs mit der Expedition mitgeschickt, um sich um die Deutschen dort zu kümmern. Also landet im Oktober 1867 eine 40.000 Mann starke englisch - indische Armee unter der Führung Sir Robert Napiers im Hafen von Sula ( Zula ).[43]

Im November 1867 schifft sich Rohlfs im Auftrag des Königs von Preußen in Marseille ein und fährt zunächst nach Ägypten. Bei seiner Ankunft in Sula wird er freundlich empfangen, da ihm der Kronprinz von Preußen ein Empfehlungsschreiben für Sir Robert Napier mitgegeben hatte. Der Kern der Expedition besteht aus General Merewhether, Oberst Phayre und Werner Munzinger, weiterhin aus Offizieren und Journalisten (!) aus aller Welt.  

Diese bunte Mischung muß nun unter Zeitdruck losmarschieren, da aus Magdala Briefe angekommen waren, daß der Negus auf diese Stadt marschiere. Im April 1868 kommt auch die Expedition dort an. Eine Schlacht bricht los, die den ganzen Tag andauert, doch es ist von Anfang an klar, daß die Übermacht der Briten nicht zu schlagen ist. Die Gefangenen werden befreit, und die Briten haben nur 25 Verwundete zu beklagen.[44] König Theodorus will die Niederlage nicht wahrhaben und verschanzt sich mit seiner letzten Handvoll Leute in der Festung von Magdala, die am folgenden Tag gestürmt wird. Bei dem Sturm auf die Festung kommt der Negus Negesti ums Leben.

Rohlfs erfüllt seinen Auftrag, indem er Geld an die deutschen Gefangenen verteilt, und verabschiedet sich. In seiner Abenteuerlust schließt er sich auf der Rückreise nicht der Expedition an, sondern macht noch einen Abstecher nach Lalilaba. In Senafe trifft er wieder auf das Hauptquartier, und am 31.5.1868 schifft Rohlfs sich wieder in Richtung Heimat ein. Bei sich hat er die salomonische Krone des Negus Negesti, die er nach seiner Ankunft dem König Wilhelm I. überreicht; dieser wiederum schenkt sie der Königin Victoria von England, diese übergibt sie dem Victoria- & Albert - Museum. Erst im Jahr 1925 kehrt die Krone nach Abessinien zurück.

 

2.5. Von Tripolis nach Alexandria

Rohlfs hält es nicht lange in Deutschland. Schon am 20.11.1868 finden wir ihn wieder in Marseille, wo er sich nach Malta einschifft. Der Grund für diese Reise ist ein Auftrag von König Wilhelm I., in Tripolis einen Boten zu suchen, der dem Sultan von Bornu Geschenke des Königs überbringen soll. Nach Abwicklung dieses Auftrages will Rohlfs durch das östlich von Tripolis gelegene Cyrenaica reisen und bekommt auch dafür das nötige Geld, u.a. von Dr. August Petermann.[45]

Um die Mitte Dezember erreicht Rohlfs Tripolis. Schon vorher hat er nach dem entsprechenden Boten suchen lassen, muß bei seiner Ankunft aber feststellen, daß jener Bote aus unbekannten Gründen nicht aufzutreiben ist. Mehr zufällig macht Rohlfs die Bekanntschaft eines Dr. Gerhard Nachtigal, der gerne bereit ist, die Aufgabe zu übernehmen. Was Nachtigal zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, ist, daß ihn die Reise nach Bornu 5 Jahre kosten wird und ihn zu einem der berühmtesten Afrikaforscher Deutschlands machen wird. Rohlfs, der den offiziellen Teil seiner Reise erledigt hat, segelt im März 1869 weiter nach Bengasi und reist von dort weiter mit Kamelen durch Adrianopolis, Tanchira und Ptolemais nach Cyrene. Er reist quer durch das Land und dringt dann nach Süden in die libysche Wüste vor.. Beim Besuch der Oase Sinah oder Jupiter - Ammons - Oase besucht Rohlfs das Grab der Jungfrau Maria. Belustigt äußert er sich über die Dimensionen des Grabmales.[46]  Nach dem Besuch in Sinah wendet sich Rohlfs zunächst nach Osten, dann nach Norden. 14 Tage später erreicht er Alexandria.

Auf dieser Reise kann Rohlfs gleich doppelten Erfolg verbuchen: er bringt als erster genauere Informationen über den Orden der fundamentalistisch - islamischen Orden der Snussi mit nach Deutschland, von denen er zum eigenen Erstaunen freundlich empfangen worden war, außerdem entdeckte er in der libyschen Wüste eine tiefe Depression längs des Nordrandes.[47]

 

2.6. Forschungsreise in die libysche Wüste

In den siebziger Jahren ist Rohlfs durch seine Forschungstätigkeit, seine Publikationen und zahlreiche Vortragsreisen eine  angesehene und wohlhabende Persönlichkeit, die mit seiner jungen Frau in einer Villa in Weimar alle politischen und kulturellen Vertreter des jungen deutschen Reichs empfängt.[48]  

Endlich wird ihm der ersehnte Ruhm zuteil, in einem Atemzug mit allen großen Afrikaforschern genannt zu werden, doch sein Interesse für die Erforschung unbekannter Gebiete in Nordafrika bleibt ungebrochen. So unternimmt er zwei weitere gut ausgerüstete Forschungsreisen in die libysch - ägyptische Wüste, die über das wissenschaftliche Interesse hinaus auch politische Ziele seiner Auftraggeber verfolgen.  

1873 wendet sich Rohlfs, mittlerweile als Afrikaforscher etabliert, erneut der Erforschung der unbekannten libyschen Wüste zu. Durch die Vermittlung des deutschen Generalkonsuls gewinnt er die Unterstützung des Vizekönigs von Ägypten Ismael Pascha, der die Erschließung des Landes voranzutreiben versucht.[49]  So stellt er die im Vergleich zu Rohlfs’ früheren Reisemitteln gewaltige Summe von 80.000 Mark zur Verfügung, die Rohlfs eine großangelegte Expedition mit wissenschaftlicher Begleitung ermöglicht. Verschiedene Wissenschaftler, darunter der Botaniker Anderson, der Geologe Zittel, der Landvermesser Jordan sowie der französische Fotograph Remelé begleiten Rohlfs auf dieser dreimonatigen Reise.

Im Dezember 1873 trifft die Gruppe mit einem Schiff der deutschen Lloyd - Reederei in Kairo ein und wird vom Vizekönig prunkvoll empfangen.[50] Rohlfs kauft eine umfangreiche Ausrüstung und läßt für die Reise durch wasserarmes Gebiet fünfhundert Wasserbehälter aus Metall anfertigen. Das Institut d’Egypte in Kairo lädt Rohlfs zu einer Sitzung ein und tritt an ihn mit der Forschungsaufgabe heran, die Existenz eines alten Nilbettes, das neue Aufschlüsse über das prähistorische Leben dieser Region ermöglichen könnte, zu überprüfen.[51]

Noch im gleichen Monat verläßt die Gruppe Kairo mit dem Zug des Sultans und startet die Expedition von der Stadt Siut am mittleren Nil aus westwärts zur Oase Farafah. Dort verbringen sie den Jahreswechsel, Rohlfs zündet zum Erstaunen der Anwesenden Magnesium am Sylvesterabend, und sie ziehen dann mit der eindrucksvollen Karavane aus hundert Kamelen und achtzig Begleitern weiter Richtung Süden. Im Südwesten stößt die Karawane jedoch auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Ein Meer aus über hundert Meter hohen Sanddünen macht den Vorstoß zum eigentlichen Ziel, der Oase Kufra im Südosten Libyens, mit den Kamelen, die die Wasserbehälter tragen und für die es keine Futterstellen gibt, unmöglich.[52] 

Rohlfs beschließt, nordwärts entlang der Sanddünen zu ziehen und eine günstige Stelle für die Überquerung zu suchen. Ohne je auf eine neue Wasserstelle zu stoßen oder eine geeignete Stelle für die Überquerung des Wüstenplateaus zu finden, zieht Rohlfs auf damals unbekannten Routen in die Oase Jupiter Ammon, der Plan, die Oase Kufra zu erreichen, muß aufgegeben werden. Im März 1874 erreicht die Karawane den mittleren Nil, die Fortschungsgruppe reist mit dem Schiff nach Kairo zurück.

Obwohl weder die Kufraoasen erreicht werden noch das alte Nilbett gefunden wird, wird auch diese Reise ein wissenschaftlicher Erfolg. Während der gesamten Reise sammeln die Mitarbeiter Rohlfs’ wissenschaftliche Daten, die neue Erkenntnisse über die Geographie, die Botanik und das Klima der Region ermöglichen.[53]

Nach einem kurzen Aufenthalt in Kairo kehrt Rohlfs über Neapel nach Deutschland zurück, wo er ein paar Jahre verweilt und ein eigenständiges Werk über die Reise verfaßt.[54]  Doch vier Jahre später bricht er zu einer neuen Forschungsreise quer durch Afrika auf, die auch zugleich seine letzte große Forschungsreise sein wird.

 

2.7.  Forschungsreise zu den  Kufra-Oasen

In den siebziger Jahren erwacht auch im Deutschen Reich das öffentliche Interesse an der Erforschung Afrikas, die von Großbritannien und Frankreich seit Beginn des 19. Jahrhunderts betrieben wúrde und bei der bislang die junge deutsche Nation „bei der Verteilung der Erde, ,wie sie vom Ausgang des 15. Jahrhunderts bis in unsere Tage hin stattgefunden hat, leer ausgegangen [ ist ]“, wie der Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Carl Peters in einem Appell an die deutsche Bevölkerung feststellt.[55]

So entsteht 1873 eine „Deutsche Gesellschaft für die Erforschung Äquatorialafrikas“, die nach einer Fusion mit der deutschen Abteilung einer auf Betreiben des belgischen Königs entstandenen „Internationalen afrikanischen Association“ im September 1876 sich als „Afrikanischen Gesellschaft“ konstituiert. Der angesehene Afrikaforscher Rohlfs wird von dieser nationalen Interessengemeinschaft  mit einer umfangreichen Forschungsaufgabe betraut.[56] 

 

Rohlfs soll die Wasserscheide der afrikanischen Flüsse Bengue, Schari und dem Kongo erforschen, ein Gebiet, das ab 1885 nach einer internationalen Kongo - Konferenz der Kolonialmächte in Berlin deutsches Schutzgebiet wird. Ausgestattet mit einer Summe von 30.000 Mark durch die „Afrikanische Gesellschaft in Deutschland“ und begleitet von dem Zoologen Anton Stecker sowie seiner Ehefrau Loni, trifft Rohlfs im November 1878 in Tripolis ein und bereitet die auf drei Jahre geplante Forschungsreise vor.[57]

Obwohl ihm eine wertvolle Ladung mit Geschenken für die Stammeshäuptlinge der zentralafrikanischen Regionen nicht erreicht, verläßt die Karawane im Dezember Tripolis und durchquert unbeschadet die von Beduinenbanden bedrohte Wüste bis in die Oase Sokna im Südwesten Libyens. Rohlfs zieht weiter in die von einem Moslemorden beherrschte Stadt Audschila und wird dort bei seinem Einzug von der Bevölkerung mit Steinen beworfen, sein kleiner Hund, der ihn auf allen Reisen begleitet, wird vergiftet.[58]

Gleichzeitig verbreitet sich unter den Wüstenstämmen das Gerücht, daß Rohlfs große Schätze mit sich führt. Durch den Empfang in Audschila verunsichert, kehrt Rohlfs zu Verhandlungen mit den Wüstenscheichs in die Stadt Bengasi zurück. Nach mehrtägigen Verhandlungen verpflichten sich die Beduinenstämme, ihm gegen eine Zahlung freies Geleit zu gewähren, der türkische Gouverneur dieser Region wird Garant für diese Vereinbarung.[59]

Im Juli bricht er erneut von Bengasi auf und erreicht nach einem Monat Marsch in der Steinwüste die Kufraoasen, wo er sein Lager aufschlägt. Doch der dort ansässige Stamm der Suja erfährt von angeblichen Schätzen in Rohlfs’Gepäck und beginnt, ihn zu erpressen. Bewaffnete Männer stürmen in das Lager und fordern die Herausgabe des Geldes. Als Rohlfs von seiner geplanten Ermordung erfährt, verläßt er zusammen mit seinem Begleiter Stecker nachts das Lager und entgeht so einem Anschlag, bei dem die gesamte Ausrüstung gestohlen und die wissenschaftlichen Instrumente zerstört werden .[60]

Am nächsten Tag kehrt Rohlfs jedoch ins Lager zurück und beginnt mit den Suja über die Herausgabe der Ausrüstung zu verhandeln. Durch sein Verhandlungsgeschick gelingt es ihm, einen Teil der Ausrüstung wiederzubekommen, doch seinen Plan, nach Zentralafrika vorzustoßen, muß er jedoch aufgeben. Im Oktober kehrt er nach Tripolis zurück.[61]

Der nächtliche Überfall bewirkt ein außenpolitisches Nachspiel. Rohlfs informiert Reichskanzler Bismarck persönlich von den Verhandlungen mit dem türkischen Gouverneur als Garanten und erwirkt so durch eine politische Intervention der deutschen Reichsregierung von der türkischen Regierung eine Ausgleichszahlung in Höhe von 16.000 Talern an die „Afrikanische Gesellschaft in Deutschland“.[62]

Nach diesem verhinderten Vorstoß nach Zentralafrika fühlt Rohlfs sich um Jahre gealtert und schreibt in einem Brief an seine Frau: „Ich sehne mich jetzt nach Ruhe und hoffe sie zu finden. Ich bin sehr gealtert, dieses eine Jahr mit den vielen Emotionen und Sorgen hat mich grau gemacht. [...] Aber was ist ein Leben ohne Aufregung! Für Tausende möchte ich solche Tage wie ich in Kufra erlebte, nicht noch einmal erleben, und doch freue ich mich, daß ich sie erlebte.“[63]

 

2.8. Als Gesandter Kaiser Wilhelms I. nach Abessinien

Ein Jahr gönnt Rohlfs sich die in seinem Brief erwähnte ersehnte Ruhe. Doch im Oktober 1880 übernimmt er wieder einen diplomatischen Auftrag für Kaiser Wilhelm I.:  Er soll Johannes, dem Kaiser von Abessinien, ein Schreiben des deutschen Kaisers überbringen.

Diesmal reist Rohlfs wieder nicht alleine. Seine Frau Loni begleitet ihn über das Mittelmeer nach Ägypten, bleibt dann in Kairo, während Rohlfs weiterfährt, um den Negus Negesti zu treffen. Doch um eine korrekte diplomatische Mission durchführen zu können, so merkt Rohlfs bald, braucht er die entsprechenden finanziellen Mittel, da er ja als offizieller Gesandter des deutschen Kaisers unterwegs ist. So muß er von Massua aus dem Reichskanzler Bismarck schreiben, daß er ihm umgerechnet 10.000 Mark sende. Das Warten ist zermürbend, besonders da in Massua die Zustände für Europäer unerträglich werden. Diener der Europäer werden grundlos festgenommen, Häuser werden durchsucht. Rohlfs geht nur noch mit einem Revolver aus dem Haus, wie alle anderen Europäer auch.[64]

Endlich, am 20.11.1880, kommt die Antwort von Bismarck. Er läßt ihm 12.500 fr. ( also 10.000 Mark ) anweisen.[65]  Rohlfs bricht nach Mkullu auf, reist von dort aus weiter nach Hotumlu, wo er in Begleitung seines vomVorjahr bekannten Carl Stecker sein durch die ganzen Staatsgeschenke ziemlich großes Lager aufschlägt. Dort wartet er sehnsüchtig auf das Geld aus Deutschland. Seine Frau ist inzwischen schon wieder in Weimar, um dort die Festtage zu verbringen. Am 21.12. ist dann endlich alles bereit, das Geld ist da, die letzten Geschenke sind gekauft, und der nervlich schon etwas zermürbte Rohlfs bereitet seinen Aufbruch nach Debra Tabor vor, wo er auf den Negus Negesti zu treffen hofft. Carl Stecker ist schon vorher mit der Karawane aufgebrochen, und am 24.12. holt Rohlfs den Trupp in Saati ein. Mit bewundernswertem Humor meistert Rohlfs die Schwierigkeiten wie z.B. die Verpflegung der Träger und Lasttiere und die Bewältigung der z.T. fast ungangbaren Bergpässe.

Zwischen Weihnachten und Neujahr erreicht die Karawane Abessinien, und Rohlfs trifft mit dem gefürchteten Militärführer des Negus, Ras Alula, zusammen, der ihm bereitwillig eine Eskorte und Lasttiere zur Verfügung stellt. Dort erfährt er auch, daß der Negus bereits von seiner bevorstehenden Ankunft informiert ist. Doch die Reise verzögert sich ständig durch den Verlust von wichtigen Kisten etc., daher kommt Rohlfs erst am 12.2.1881 in Debra Tabor an. Der Staatsempfang beim Kaiser Johannes wird dennoch ein voller Erfolg, wobei dieser das Siegel des Kaiser Wilhelm I. fast mehr bewundert als den Inhalt des Briefes. Der Negus bricht am 17.2. nach Enarca auf, um dieses zu unterwerfen, und so ist auch Rohlfs offizieller Auftrag erfüllt, den er übrigens noch durch ausführliche Beschreibungen der Flora und Fauna ergänzt hat. Die Rückreise führt Rohlfs nach Axum, Adua und Addi Mogunti, so daß er am 7.4.1881 wieder in Massua eintrifft. 15 Tage später reist Rohlfs nach Kairo ab und über Neapel dann gen Heimat. 

 

3.  Rohlfs’ Leben in Weimar: Stationen

Spätestens seit seiner Rückkehr aus der Cyrenaica nach Deutschland 1869 hat Rohlfs den Zenit seines Ruhmes erreicht. Von vielen Seiten erreichen ihn Angebote zu Vorträgen. Er kommt ihnen in Vortragsreisen nach: Jährlich die Wintermonate hindurch - „mit großem Eifer und wachsendem Erfolge.“[66]  Ökonomisch bedarf er der so erzielten Honorare, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren; Einkünfte aus Publikationen beginnen frühestens 1873 zu fließen.

Die vortragsfreien Sommermonate werden überwiegend in Bremen und Berlin zugebracht - in geselligem Rahmen. „Man kann sich denken, wie er nach zwanzig Jahren fast ununterbrochener Strapazen nun das Leben in der Kultur und im Verkehr mit gebildeten Leuten genoß.“[67]

In Berlin ist Rohlfs gern gesehen - nicht nur bei Vertretern von Kunst und Wissenschaft, sondern auch in „höchsten Kreisen“, am Berliner Hofe: Prinz Carl und dessen Sohn Prinz Friedrich Carl empfangen den Achtunddreißigjährigen im Palais an der Wilhelmstraße, im Schloß Glienicke, auch in Potsdam. Und eben dort entscheidet sich die bis dahin offene Frage, an welchem Ort in Deutschland Rohlfs seinen Wohnsitz nehmen wird:

Einladung nach Sanssouci zum Tee. Rohlfs im knobelsdorffschen Rokoko - Schloß - das ist schon einen tiefgründigen Vergleich mit zurückliegenden Entwicklungen wert. Rohlfs spricht davon, seine Zelte in Berlin aufzuschlagen. Die Kronprinzessin protestiert, schlägt Weimar vor, „im Herzen Deutschlands“, schreibt einen empfehlenden Brief an den Großherzog von Sachsen - Weimar, ihren Bruder.[68]  Rohlfs mag daneben wohl die Nähe Weimars zu Gotha bedacht haben, dem Wohnort seines Freundes und Beraters Petermann[69]: Er entscheidet sich gegen Berlin und für Weimar.

Bevor er sich jedoch dort seßhaft macht, steht noch eine besonders ausgedehnte Vortragsreise an: Rohlfs hat Aufforderungen zu Vortragsreisen akzeptiert, die aus Pernau, Riga, Mitau, Dorpat, St. Petersburg, Moskau und Odessa eingegangen sind ( Genschorek erwähnt darüber hinaus nochn Konstantinopel.[70] ).

Am 1. Mai 1870 kommt Rohlfs, Junggeselle, 39 Jahre alt, in Riga an, erhält Quartier im Hause des Weinkaufmanns Alexander Schweinfurth. Dieser, Bruder des bekannten Afrikaforschers Georg Schweinfurth ( 1836 - 1925 ), führt ein offenes Haus, ein „geistiges Zentrum der Stadt“[71]: „Von jeher war das Haus Schweinfurth eine Zentrale für Künstler und Gelehrte gewesen.“[72]

Im gleichen Hause lebt, 19 Jahre jung, blond und ein wenig pummelig, Leontine Behrens, eine Nichte des Hausherrn. Und am sechsten Tage seiner Ankunft macht der gebräunte, sehnige Hagestolz vor ihren Eltern seinen Heiratsantrag.[73]  Die Bewerbung wird angenommen, die Verlobung begangen, und einen Tag darauf reist der Bräutigam nach St. Petersburg  - pacta sunt servanda.

14 Tage bleibt er dort, hoch geehrt. Dann, „nach sechswöchiger Verlobungszeit, in der sich die Partner nur einige Tage gesehen hatten“[74], wird geheiratet: Einheirat in die Verwandtschaft des Afrikaforschers Georg Schweinfurth, quasi dynastisch - dynamisch. Dem Neuvermählten gelingt es, sich von den weiteren Vortragsverpflichtungen entbinden zu lassen, er schreibt an seine Geschwister eine bemerkenswerte Charakterisierung der Frau seiner Wahl: „Ich denke, Eure zukünftige Schwägerin wird Euch gefallen, sie ist hübsch, einfach, kindlich, gut und ohne Ansprüche, 19 Jahre alt. Selbstverständlich musikalisch und gut erzogen.“[75]  ( Rohlfs spielte, obwohl seit seiner ersten Marokkoreise manuell behindert, selber Klavier und Harmonium. )

Eine Wohnung in Weimar wird gewählt, „im 2. Stock eines Mietshauses“[76]  in Bahnhofsnähe. Dann reist das junge Paar via Warschau und Berlin nach Bremen. Die Stadt der deutschen Klassik ( „Der Zauber einstiger Größe lag auf Weimar“[77] ) muß noch warten. Eine längere Zeit als geplant, wie sich in Bremen herausstellt: Kaum vier Wochen verheiratet, kaum in Bremen eingetroffen, erhält Rohlfs ein Telegramm[78]  des preußischen Auswärtigen Amtes Berlin: Er habe sich dort einzufinden - unverzüglich, unter Vermeidung von Aufsehen.

Mittlerweile dröhnen die Kriegstrommeln: Nach der „Emser Depesche“ und mit der französischen Kreigserklärung vom 19. Juli 1870 hat der deutsch - französische Krieg begonnen. Rohlfs gehorcht der Order aus Berlin - offenbar keineswegs unlustig. Sei nicht traurig“, ermahnt er seine junge Frau schriftlich, „sondern erinnere Dich der Frauen der Römer und Griechen, welche ihre Männer zum Kampfe anfeuerten, wenn es galt, fürs Vaterland zu streiten, und der alten Deutschen, deren Frauen selbst in den Krieg zogen“,[79]  und folgt dem Ruf der Trompeten wie weiland Achill.

 

Nicht als Waffen-, sondern als Geheimnisträger, wie sich in Berlin herausstellt: Kein Geringerer als Generalfeldmarschall Helmuth v. Moltke ( 1800 - 1881 ), Chef des Generalstabes des preußischen Heeres, Sieger von Königgrätz 1866, macht Rohlfs mit einem ebenso ungewöhnlichen wie schwierigen wie fragwürdigen wie forschungsfremden Auftrag vertraut: Als ausgewiesener Kenner Marokkos soll Rohlfs insgeheim in das von Frankreich annektierte Algerien eindringen und dort im Süden des Landes einen Aufstand schüren. Dessen Zweck sei es, französische Ttruppen zu binden, die damit auf dem europäischen Festland nicht zur Verfügung ständen. Eine hochpolitische geheimdienstliche Aktion. Ein qualifizierter Orientalist, der Berliner Professor Johann Gottfried Wetzenstein, von 1848 bis 1862 königlich preußischer Gesandter in Damaskus, Freund Alexander von Humboldts, wird Rohlfs begleiten - bis Neapel auf getrennter Reiseroute: Zwei Kenner der islamischen Welt - in geheimdienstlich - konspirativem Auftrage seiner Majestät. Das Auswärtige Amt stellt einen Geheimcode und übernimmt die Finanzierung der Reise.

 

Man reist also, man kommt in Tunis an - am 16. August 1870. Allerdings: Derart geheim kann die Angelegenheit doch nicht gewesen sein: Der Bei von Tunis, von Frankreich unter Druck gesetzt, setzt seinerseits die beiden Agenten fest, bevor sie algerischen Boden betreten können, liefert sie allerdings - was würde wohl die Folge gewesen sein - nicht den Franzosen aus, sondern schiebt sie ab auf das britische Malta. Dort werden weitere mögliche Aktivitäten der zwei - Rohlfs will keinesfalls aufgeben - konterkariert durch den Sieg von Sedan am 2. September 1870. Die beiden Agenten kehren heim, und der ruhmlose Fehlschlag dieser merkwürdigen Operation wird von der französischen Niederlage gnadenvoll überdeckt.

 

Soweit die Biographen. Auf die interessante Frage, wessen Hirn denn der ursprüngliche Anstoß zu diesem Unternehmen entsprungen war, gehen sie nicht ein.

 

Eine mögliche Antwort gibt Peter Heine, Münster, in einem Beitrag in „Die Welt des Islams“.[80]  Nach Quellenstudien stellt er die These auf, daß es kein anderer als Rohlfs selbst war, der sich vor oder zu Beginn des Krieges mit dem entsprechenden Vorschlag an Berlin gewandt und seine Bereitschaft bekundet hatte, diese Aufgabe persönlich zu übernhmen. Rohlfs Darlegungen seien auf fruchtbaren Boden gefallen, und Bismarck habe zugestimmt.

 

Wie dem auch sei - der Oktober 1870 sieht Rohlfs und seine Frau in ihrer ersten Wohnung in Weimar. Schon im selben Jahr erscheinen bedeutende Gäste: Neben dem Großherzog Carl Alexander und dessen Frau bilden Georg Schweinfurth, Julius v. Payer ( 1841 - 1915 ), Grönlandforscher und Teilnehmer an der Zweiten Deutschen Nordpolarexpedition, Professor Christopher Negri, Staatswissenschaftler an der Universität Padua sowie Franz Liszt einen eindrucksvollen Rahmen.[81]

Schon bald wird die Etagenwohnung des Paares ein konstitutiver Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens und Treibens des Residenzstädtchens . Dennoch findte Rohlfs Zeit, die vormals elterliche Erziehung seiner Frau Leontine fortsetzend in die eigenen Gattenhände zu nehmen - gründlich und gewissenhaft; „es geschah wie von selbst, daß der Mann die Erziehung fortsetzte. Mit Eifer arbeitete er an ihrer Bildung, legte ihr interessante und wertvolle Sachen zum Lesen vor, ja er ließ sie sogar Aufsätze machen, die er dann durchsah. Auch ihre Handschrift suchte er zu verbessern.“[82]

Drei Jahre ruhigen, geregelten Lebens in Weimar: Vortragsreisen in den Monaten vor und nach Weihnachten ( zu seiner Erscheinung und Wirkung auf andere siehe Anlage 1[83] ), Arbeit in der Bibliothek sowie gesellschaftliche Verpflichtungen die warme Jahreszeit hindurch.Den Künstlern gegenüber aufgeschlossen, besucht Rohlfs gern Opern- , Operetten- und Lustspielaufführungen. „Schauspiele weniger, da er ein weiches Gemüt hatte, und ihm bei den rührenden Stellen Tränen kamen.“[84]

Die Ehe bleibt kinderlos: Frau Leontine wird 1877 schließlich an einer lebensbedrohenden Unterleibsentzündung erkranken. Aber bis dahin geschieht noch viel.

Großherzog Carl Alexander, der Rohlfs verehrt ( zu Rohlfs einmal: „Haben Sie nie empfunden, daß Sie einen hypnotischen Einfluß auf Personen ausüben?“[85] ), beschenkt ihn mit einem Grundstück an der Paulinenstraße, unweit des Bahnhofs.[86]  Und dort wird eine Villa errichtet, die das Paar am 25. August 1873 bezieht: Großbürgerlich, großräumig und großzügig, als eine angemessene Art kulturell - gesellschaftlichen Schwerpunkts des Städtchens, manifestiert dieses Haus den inzwischen erfolgten Eintritt Rohlfs’ in das - nicht-merkantile - Großbürgertum. Bezeichnend der Name, Abschied von langen Jahren der Unruhe signalisierend: „Villa Meinheim“. Rohlfs ist 42 Jahre alt.

Später wird die erste Villa der Rohlfs wieder verkauft, während der Forscher und seine Frau in Afrika sind ( Kufraexpedition 1878/79 ). Von seinem ihm überaus geneigten Großherzog erhält Rohlfs ein neues Grundstück als Geschenk: In exklusiver Lage, in der Belvedere - Allee, im Blickfeld des seinerzeit unter Goethes Aufsicht angelegten Parks und des Goetheschen Gartenhauses: „Villa Meinheim 2“ in großbürgerlichen Dimensionen wird errichtet und im August 1881 bezogen, nachdem Rohlfs von seiner Gesandtschaftsreise nach Abessinien zurückgekehrt ist. Dieses Gebäude wird ein gesellschaftlicher und kultureller Anziehungspunkt in Weimar bleiben, bis das Ehepaar Rohlfs im Mai 1890 an den Rhein übersiedelt.[87]

Im Salon: Ein prächtiger Bechsteinflügel, auf dem nicht selten - neben Franz Liszt - Rubinstein und Eugen d’Albert vor Gästen musizieren. Keinesfalls zur Zerstreuung:“Bei allen Freuden der Geselligkeit: Rohlfs haßte einfallslose banale Plaudereien. Seine Gäste [...] mußten sich etwas zu sagen haben. Jedes Gespräch sollte Wissen erweitern. Bei Gesellschaften sorgte Rohlfs dafür, daß es stets einen Vortrag gab, oder daß ein Konzert den festlichen Rahmen bot.“[88]

Die umfangreiche Bibliothek mit einer Handschriftensammlung und das Arbeitszimmer - Reste sind im Schloß Schönebeck erhalten - bilden das Reich des Hausherrn ( Anlage2 ). Im Dachgeschoß richtet Rohlfs ein kleines Museum ein, in dem Erinnerungsstücke der Reisen ihren Platz erhalten.[89] -

Wir greifen zeitlich einige Jahre vor: 1886 weilt Rohlfs, von seiner Frau begleitet, an der Stätte seiner recht rudimentären medizinischen Ausbildung vor 35 Jahren, als eine schmerzliche Todesmeldung ihn erreicht: „Seinen Tod erfuhren wir in Heidelberg, wo wir zur Feier des fünfhundertjährigen Jubiläums uns gerade aufhielten.“[90] 

Franz Liszt, die bestimmende musikalische Persönlichkeit in Weimar, der dort lange Zeit ganzjährig, im übrigen mindestens den Sommer über gelebt hatte, war tot. „Er war ein edler und großer Mensch und ein noch heute unerreichter Künstler“[91], so Rohlfs. Der 20 Jahre ältere Liszt war von Rohlfs tief eingenommen. Mehr noch: „Vom Jahre 1871 bis 1887 [?] verband uns eine aufrichtige Freundschaft.“[92]  „Liszt bezauberte mich sofort.“[93] 

Liszt, dessen Schüler zu sein den Ausgewählten eine Ehre war, lebte, verglichen mit Rohlfs, bescheiden im Obergeschoß der Hofgärtnerei: Vorzimmer, Eßzimmer, Salon mit Flügel, Schlafraum. Bei seinen musikalischen Matineen füllten geladene Gäste von Rang und Namen sämtliche Zimmer. Rubinstein spielte hier, d’Albert war Liszts Schüler, die großherzogliche Familie, Rohlfs und dessen Frau beanspruchten Stammgast - Status.

Im gesellschaftlichen Leben verbinden Liszt und Rohlfs eine Vielzahl gegenseitiger Einladungen und Besuche. Liszt, unverheiratet und nicht selten genügsam von Konservenkost sich ernährend, schätzt die Rohlfssche Genußküche über alle Maßen. Oftmals trifft man sich zu ungezwungenen Gesprächen bei Tisch, beim Whist - Spiel, bei Wein - stets mit Musik. Man parliert auf Französisch. Man unternimmt Kutschfahrten zum benachbarten Gut Martin Wielands ( 1733 - 1813 ), Schloß Osmanstedt, lacht, scherzt, tauscht ernsthafte Gedanken aus am Grabe des Wegbereiters der deutschen Klassik.

Wie Rohlfs, bildet auch Liszt einen kulturellen und gesellschaftlichen Schwerpunkt - weit über Weimar hinaus.

Liszt’s Tod trifft Rohlfs ins Herz: Vorahnungen? Er wird seinen Freund nur zehn Jahre überleben. - Viele Zeugnisse gegenseitiger Zuneigung sind in zahllosen kleinen, oft auf Briefkarten oder gefalteten Visitenkarten hingeworfenen Einladungen und Mitteilungen erhalten - durchweg ohne Angaben des Datums.[94]  Sie veranschaulichen, wie intensiv Rohlfs’ Leben in Weimar eingebettet war in großbürgerlich - adelig - kulturelle Gesellschaftsformen.

 

3.2. 1883: Ein Geburtstagsgeschenk aus der Vaterstadt Vegesack: Rohlfs und Hermann Allmers

Fern vom feinen Weimar zerbricht sich ein Kreis Vegesacker Honoratioren die Köpfe, wie man dem in der Fremde zu Ruhm gelangten Sohn der Stadt eine dem Charakter des kleinen Hafenstädtchens an der Lesummündung gemäße Ehrung zuteil werden lassen kann - etwa aus Anlaß seines bevorstehenden Geburtstages - des zweiundfünfzigsten.

Hermann Allmers, der Marschendichter aus Rechtenfleth, hat die zündende Eingebung. Raritäten aus Nordafrika besitzt Rohlfs im Überfluß, dieser weitgereiste Entdecker. Aber die riesigen Unterkiefer eines Wales, Symbol sowohl weiter Reisen als auch jener Zeiten, als man von Vegesack aus auf Walfang ging, Zierde des Eingangs des Hauses manch eines Walfang - Kapitäns in der Umgebung des Weserstädtchens - wäre das nicht eine sinn- und bedeutungshafte Gabe der Geburtsstadt Rohlfs’?

Gesagt, getan. Ein Glückwunschbrief unterrichtet Rohlfs von dem bevorstehenden Eintreffen der mittlerweile expedierten Ehrentrophäe, die ihn und die staunenden Residenzbewohner eingedenk lassen soll der Vaterstadt des Vielgereisten.

Rohlfs, trotz der Skurrilität von Walkiefern am Portal der Villa eines Sahara - Reisenden im Herzen Thüringens offenbar entzückt, sendet den wackeren Vegesackern ein Dankesschreiben, in dem er die Spender seiner Verbundenheit mit dem Unterweserstädtchen versichert[95]  ( Anlage 1 ).

Unverzüglich erhält er zwei Antwortschreiben aus Vegesack: der Apotheker Stümcke legt seiner Sendung[96]  noch ein an dem „Knochen“ zu befestigendes Schildchen bei, das den „nöthigen Vermerk“ über den Ursprung des Naturportals trägt ( Anlage 2 ).

Allmers als Spiritus Rector des Ganzen erläutert detailliert den Ursprung seiner Idee sowie, zur Würdigung der Mühe, die Schwierigkeiten der Cherche nach dem guten Stück ( Immerhin stammt die Trophäe von einem Landgut, das einmal im Besitz von Johann Smidt, Senator, ab 1821 Bürgermeister Bremens, gewesen war. ).[97]  

Historische Photographien beweisen: Zumindest vor Rohlfs’ zweiter großbürgerlicher Villa in Weimar sowie auch vor seinem späteren Heim in Rüngsdorf/Godesberg recken sich die Vegesacker Wahrzeichen in den Himmel.

 

3.3. 1875/76: Vortragsreise durch die USA

Den Regionen der Grönland - Wale war Rohlfs auf einer Fahrt über den Nordatlantik nahe gewesen: Er war „einer Einladung in die Vereinigten Staaten gefolgt, wo er überall vor überfüllten Sälen sprach und entsprechend gefeiert wurde.“[98]

Anfang Oktober 1875 tritt er die Reise an- nicht auf einem Hamburger Schiff ( die Hapag war schon 1847 gegründet worden ), sondern heimatbewußt auf der „Main“ des Norddeutschen Lloyd Bremen.

In New York legt ihn erst einmal die Welt kapitalistischen Reichtums in gesellschaftlichen Beschlag: Fasziniert berichtet er seiner Frau: „Es ist unglaublich, welcher Luxus hier getrieben wird, die Brillanten, die tagtäglich von den Damen getragen werden, würde man bei uns nur in Gesellschaft anlegen.“[99] -

Zum einen zeigen Rohlfs’ Briefe an Frau Leontine, daß er vom Glanz des zu Millionen - Reichtum aufgestiegenen Bürgertums in der Neuen Welt nicht minder beeindruckt ist als vom Fluidum weimarischen Hoflebens. Zum anderen gibt, was er in ihnen hervorhebt, aufschlußreiche Hinweise auf Facetten der Wesenszüge seiner Persönlichkeit: Rohlfs dimensioniert einen privaten Empfang zu seinen Ehren in New York: „Denke Dir in zwei eleganten Salons, so groß wie unser Esszimmer, ca. 300 Damen und Herren, und Du hast einen Begriff von solch einer Rezeption.“[100]

Ein leiser Ton befriedigter Identifikation schwingt mit, wenn Rohlfs erklärt:“So bin ich denn mitten in die amerikanischen Kreise geraten, in die selten ein Deutscher, und wenn er auch jahrelang hier ist, hineinkommt. Und noch dazu in die aristokratischsten und feinsten.“[101] ( Rückerinnerung an die Jahre 1861/62 in Uesan und Fes: Hat Rohlfs nicht seinerzeit schon die Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich mit der Welt der Einflußreichen zu identifizieren? )

Rohlfs ist eingeladen zum Diner „beim Fürsten der Neuyorker Kaufleute“, Mr. Stewart, Besitzer zweier Kaufhauspaläste am Broadway:“Frau Stewart rieselte von Brillanten, in den Ohren hatte sie ein Paar Solitairs, wie man sie [...] in den Schatzkammern der gekrönten Häupter suchen muss, jeder war mindestens 50.000 Dollar wert. Dazu die anderen Schmuckgegenstände, Medaillons, Ringe usw. . Auch Frau Bigelow, die ich zu Tisch führte, hatte ein fürstliches Kollier um.“[102] -

Bemerkenswert die undistanzierte Darstellung der Faszination des gesellschaftlichen Glanzes und die Übertragung adeligen Flairs auf diesen neuartigen bürgerlichen Reichtum. Mit beiden Welten, scheint es, vermochte Rohlfs sich zu identifizieren. Vorträge folgen. „Das Klavierspiel in den Pausen war recht kläglich“[103], moniert der Referent - eingedenk weimarischer musikalischer Brillanz. Eine Schulvisitation schließt sich an.

Dann geht’s nach Buffalo. Besuch der Niagara - Fälle: Wasserfluten anstelle der todestrockenen Sahara. Aufführung einer Donizetti - Oper: „[...] höchst mittelmäßig.“[104] Das Niveau musikalischer Kultur, scheint es, entspricht weniger dem Glanz des neuerworbenen Reichtums.

Begegnung der anderen Art: Politisch. In St. Louis nimmt Rohlfs die Sylvester - Einladung eines deutschen Emigranten an: Des Juristen Friedrich Hecker ( 1811 - 1881 ), inzwischen Besitzer einer weiträumigen Farm. In den 48er Jahren war der badensische revolutionäre Volksvertreter und Demokrat zum Tode verurteilt worden, konnte jedoch entkommen. Rohlfs, integrierter

Bestandteil des höfischen Lebens in Weimar, im Gespräch mit einem der führenden Vertreter des staatsbürgerliche Gleichheit einfordernden Volksaufstandes: „Hecker ist wohl roh in seinem Äußeren, ungeschliffen in seinen Ausdrücken und sucht sogar etwas darin, sich durch Kraftausdrücke, Flüche usw. stets auszuzeichnen, aber eine gerade und ehrliche Natur.“[105]

 

 

3.4. Verbindungen zu Otto v. Bismarck

Zwei an Rohlfs gerichtete Schreiben aus der Kanzlei Bismarcks, das erste aus seiner Periode als preußischer Ministerpräsident ( seit 1862 ), das andere aus seiner Amtszeit als Reichskanzler, der seit 1871 die Außenpolitik des Deutschen Reiches bestimmte, belegen quellenmäßig die Vermutung, daß Rohlfs bereits 1868 bemüht war, seinen Namen in Regierungskreisen Erwähnung finden zu lassen - in Bereichen der Außenpolitik. Beide Schreiben tragen Bismarcks eigenhändige Unterschrift mit vorgesetzter Initiale W.

Das erste bezieht sich darauf, daß Rohlfs das Tagebuch seiner Teilnahme an der Expedition in Abessinien 1867/68 Bismarck übersandt sowie zusätzlich dessen Sohn mit einem Geschenk bedacht hatte[106] Es ist nach Berlin adressiert: Rohlfs' Entscheidung für Weimar war noch nicht getroffen.

Im zweiten Schreiben bestätigt Bismarck dankend den Erhalt eines „Libyschen Albums“ und spricht seine Anerkennung über dessen Inhalt aus ( Angaben darüber, was dieses Album thematisch enthält,werden nicht gemacht. )[107]  ( Anlage 2 ).

Abgesehen von diesen beiden Primärquellen finden sich bei Guenther Briefe Rohlfs, die belegen, daß Bismarck ihn zwischen 1880 und 1884 des öfteren zu sich gerufen hat, d.h. in den Jahren des zunächst betont zögernden Beginns deutscher Kolonialpolitik:

21.5.1880 Berlin: Einladung zum Essen

15.6.1880 Berlin: Einladung zum Gespräch

21.5.1881 Berlin: Einladung zum Gespräch

9.1.1882 Berlin: Einladung zum Essen

11.5.1884 Berlin: Audienz

Schließlich:

25.9. - 29.9.1884: Friedrichsruh: Aufenthalt in Begleitung Lüderitz’[108]  auf dem Schloß des Fürsten - mit Übernachtung dort ( Ein Gesprächsthema: Rohlfs’ bevorstehende Ernennung zum Deutschen Generalkonsul in Sansibar ).[109]

 

Anmerkung:  Im Staatsarchiv Bremen sind zwei Briefe Rohlfs’ an Bismarcks Sohn Herbert ( 19.8.1869 u. 30.8.1869 ) sowie ein Schreiben Rohlfs’ an Otto v. Bismarck ( 24.5.1881 ) unter der Signatur 7,15 - 3 katalogisiert, jedoch z.Zt. nicht auffindbar

 

3.5 Die Beziehungen Lüderitz’ zu Rohlfs

Im Jahre 1884 tritt bremischer merkantiler Geist an den Afrikaforscher heran: In Gestalt von Franz Adolf Lüderitz, geboren in Bremen am 16. Juli 1834. Dieser Großkaufmann, Bremer Bürger, ursprünglich im Tabakhandel, hatte 1878 die Firma seines Vaters übernomen und war - gemeinsam mit seinem Bruder August - bereits Besitzer einer Handelsfaktorei im Bereich von Lagos/Sklavenküste.

Lüderitz hielt Ausschau nach weiteren Unternehmungen[110]: Dem Tabakhandel drohten allerlei Unersprießlichkeiten. Zusammen mit dem jungen Heinrich Vogelsang, Sohn des Bremer Tabak- und Zigarrenfabrikanten C.E. Vogelsang, im Dienste der Bremer Firma Friedrich M. Vietor afrikaerfahren, faßte er die Möglichkeit ins Auge, eine Kolonie auf dem schwarzen Kontinent zu gründen. Vogelsang war, als Lüderitz’ Emissionär, im April 1883 in Angra Pequena an Land gegangen, später Lüderitzbucht. Das Gebiet dieser Bucht wurde von ihm für Lüderitz erworben: Bethanien, am 1. Mai 1883[111]   abgekauft dem Häuptling Joseph Fredericks vom Namastamm, für den Prachtpreis von 100 Pfund Sterling sowie 200 Gewehren, etwa 1400 km² Land. Weitere Gebiete wechselten den Besitzer, am 15. August des selben Jahres[112], und nach einiger Zeit besaß Lüderitz nahezu die gesamte Küstenregion vom Oranje im Süden bis zum Kap Frio.[113]

Lüderitz war bestrebt, diesem „Fundament der späteren deutschen Kolonie Südwestafrika“[114] den Schutz des Deutschen Reiches angedeihen zu lassen: Zu schützen waren nicht zuletzt ausgedehnte Bergwerks- und Minenrechte - im Hinblick auf Gold- und Diamantenvorkommen in Südafrika.

Lüderitz tritt 1884 an das Auswärtige Amt heran[115], spricht mit Bismarck, zusammen mit Rohlfs, wie wir gesehen haben, auf Friedrichsruh. Auf der Suche nach möglichen Mitstreitern von Rang und Namen für seine Bemühungen ist sein Blick - unklar, wann genau - auf Rohlfs gefallen.

Ein Schreiben Lüderitz’ an Rohlfs vom Juli 1884, also noch vor dem Aufenthalt auf Firedrichsruh ( Ende September 1884 ), belegt, daß die Dinge in Gang gekommen sind[116]: ( Anlage 1 )- Rohlfs wird etikettegerecht mit jenem Titel angeredet, den Kaiser Wilhelm I. ihm verliehen hatte.[117]

Die Verbindung soll enger werden: In einem weiteren Brief vom August 184 lädt Lüderitz Rohlfs zu einem Besuch auf seinem Landgut bei Borgfeld ein. Der Ton des Briefes enthält bereits persönliche Nuancen. Lüderitz ersucht Rohlfs, ihn aufsuchen zu dürfen, und versäumt nicht, seine privatwirtschaftlichen Unternehmungen zu einer Forschungsreise zu stilisieren - im Dienste der Wissenschaft: gewinnende Verbeugung vor Rohlfs.[118] 

Ein knapp 14 Tage später datiertes Schreiben Lüderitz’ an Rohlfs signalisiert Erfolg auf der ganzen Linie: Der Kaufmann ist Rohlfs’ Gast gewesen, man hat - mit katalysatorischer Wirkung eines guten Tropfens - noch enger zueinander gefunden, eine Freundschaft scheint etabliert. Abermals eine Umstilisierung: Diesmal der Villa Meinheim zu zungenschwerer Villa Weinheim - mit jenem Lüderitz’ offenbar eigenen Humor[119].

Die Audienz bei Bismarck steht bevor. ( Aus einer später in der Arbeit angeführten Quelle läßt sich ableiten, daß der Kaufmann, nicht ungeschickt, durch Rohlfs die Bekanntschaft des Weimarer Großherzogs gemacht hat, dessen familiale Bindungen zur kaiserlichen Familie bekannt sind.) Ein Photo Lüderitz’ wird beigelegt:

( Schmales Gesicht, Haar wellig, kleinformatige Augengläser, mächtiger Schnurrbart ) - quasi in

Memento - Funktion.

Durch einen Brief Lüderitz’ an seine Frau ist belegt, daß der Kaufmann die Nacht nach jenem weinseligen Abend als Gast im Hause der Rohlfs verbracht hat[120]  ( Anlage 4 ).

Kennzeichnend für den zunehmenden Grad der Vertraulichkeit, die sich in der Beziehung Lüderitz’ zu Rohlfs entwickelt, sind die jeweiligen Anreden in zwei weiteren Schreiben des Kaufmannes an Rohlfs aus den Jahren 1884 und 1885[121]. Im Oktober 1886 ertrinkt Lüderitz vor der Mündung des Oranje. Seine Leiche wird nicht geborgen.

Rohlfs’ Kondolenzschreiben an die Witwe, mit durchaus zeitgemäßen kolonialpatriotischen Untertönen, muß an einer Stelle überprüft werden: Dort, wo Rohlfs die Meldungen seines eigenen Todes mit „vor dreißig Jahren“ datiert. Rohlfs scheint 10 Jahre zugelegt zu haben: In Liverpool war er - nach seiner großen Durchquerung Zentralfrikas von Norden nach Lagos - am 2. Juli 1867, also vor 20 Jahren, eingetroffen

( Guenther, S. 87 )[122].

Als Lüderitz dem Großherzog von Sachsen - Weimar vorgestellt wurde, war dieser Verehrer Rohlfs’ auch von dessen Freund und seinen als patriotisch qualifizierten Unternehmungen erheblich angetan. Der, wie Guenther erwähnt, artikulationsbeeinträchtigte Fürst fand darüber hinaus Gefallen an der fröhlich - unkonventionellen Ausdrucks- und Verhaltensweise des Bremer Kaufmannes: „Ein lustiger Mann von größter Offenheit.“[123]

Auf der Wartburg sitzt man beieinander und wartet darauf, zu speisen. Es erscheint, von der Jagd kommend, Seine Hoheit, der Erbgroßherzog, erklärt seinen Appetit und klagt, beim Jagen habe man nicht viel gegessen. Lüderitz, kein Mann der hehren Sprache, erkundigt sich ebenso teilnahmsvoll wie ungeniert: „Na, was haben Sie denn gefuttert?“[124]

Wie hoch die Wertschätzung war, die Rohlfs’ Freund beim Großherzog hervorzurufen gelungen war, wird ersichtlich aus drei Schreiben Seiner Hoheit an den Bremer Großkaufmann[125] Am Ende hat Lüderitz - vermutlich mit Hilfe seitens Rohlfs’ - sein Ziel erreicht: Am 7. August 1884 wird in Angra Pequena die Reichsflagge gehißt: Lüderitz’ Besitzungen stehen unter dem Schutz des Deutschen Reiches.[126]

„Ökonomische Wegbereiter der [deutschen] Kolonialexpansion war“, so ein Vetreter des Historischen Materialismus, „die Handelsbourgeoisie der Hansestädte.“[127]

Zu erwähnen ist zuguterletzt ein kaiserlicher Schutzbrief, ausgestellt für Lüderitz’ Bruder August, aus dem Jahre 1885[128] 

Die von Lüderitz offenbar gesuchte Verbindung zu Rohlfs stellt nach uns zugänglichen Primär- wie Sekundärquellen die einzige nachweisbare Verbindung zwischen dem Afrikaforscher und einem Vertreter der bremischen Großkaufmannschaft dar. Diese Verbindung war, von Rohlfs her betrachtet, keineswegs ohne affektiv - affirmative Zuneigung zu Lüderitz’ Aktivitäten: In seinem 1884 veröffentlichten Buch „Angra Pequena“ begrüßt Rohlfs enthusiastisch den Landerwerb des Bremers - nur fünf Jahre vor der Antikolonialismusrede Bebels im Reichstag: „Ein freudiges Gefühl durchbebte die Brust eines jeden Deutschen, als im Sommer 1883 die Zeitungen die wunderbare Mär verkündeten, ein Deutscher habe ein bisher unabhängig gewesenes Gebiet an der Westküste von Afrika als eigen erworben.“[129]

 

3.6. 1884/85: Ein Amt im Diplomatischen Dienst  von kurzer Dauer: Generalkonsul in Sansibar

Am 31. August 1884, vor seinem Aufenthalt in Schloß Friedrichsruh, hat Rohlfs mit seiner Denkschrift „Über die Zustände an der Ostküste Afrikas“ sich gewissermaßen die Sporen für einen reglementswidrigen Seiteneinstieg in den Dienst des Diplomatischen Korps erworben. Der international angesehene Forscher wird - anstelle des ebenfalls in Erwägung gezogenen Gustav Nachtigal, den seine Tätigkeit als kaiserlicher Kommissar in Togo und Kamerun absorbiert, - zum Generalkonsul des Deutschen Reiches auf und in Sansibar ernannt.[130]  Das entspricht faktisch der Stellung eines Gesandten.

Rohlfs reist am 27. Oktober 1884 von Wilhelmshaven ab - seine Frau wird nachkommen - und trifft an seinem Dienstsitz am 29. Januar 1885 ein[131] - begrüßt von protokollgerechten Salutschüssen.

Sein Auftrag: In klarer Konkurrenz zu seinem diplomatischen Rivalen, dem britischen Generalkonsul, das freundschaftliche Verhältnis zu dem alleinherrschenden Sultan ( seit 1870 ) Bargash bin Said „weiter“ zu entwickeln und auf den Abschluß eines „günstigen“ Handelsvertrages hinzuarbeiten. Hinter dieser Aufgabe stand die Hoffnung, die Briten aus der Vormachtstellung verdrängen zu können, die sie sich zu schaffen verstanden hatten.

Rohlfs gerät unverzüglich in ein Dilemma: Sein britischer Rivale, Sir John Kirk, stellt sich nicht nur als ein liebenswürdiger Gentleman heraus, ist nicht nur ausgebildeter Mediziner: Er ist Forscherkollege von Rang, hat von 1858 bis 1863 gemeinsam mit dem berühmten Livingstone am Sambesi gewirkt. Sir John verschafft seinem Brutus darüberhinaus baldigst ein angemessenes vorübergehendes Quartier, bis das deutsche Konsulatsgebäude errichtet ist: das Haus eines dort verstorbenen englischen Arztes.

Und diesen Menschen, so Rohlfs’ Verpflichtung, soll er aus dessen Position des bevorzugten Vertrauten und Ratgebers Bargash bin Saids verdrängen. Solch sophistischer Aufgabe sieht Rohlfs sich nicht gewachsen. Auch der Sultan sieht sich der Frage nicht gewachsen, ob und weshalb er die Bevormundung seitens einer fremden Macht gegen die einer zweiten eintauschen soll

Zudem erweist sich die Person Rohlfs in genügendem Maße unabhängig von den Regularien seines Amtes, um gegen den illegalen Sklavenhandel zu intervenieren, den der Sultan betreibt. Rohlfs’ offener Zorn trifft auch die dubiosen Geschäfte, Dr. Carl Peters’und seiner 1885 gegründeten „Deutsch - Ostafrikanischen Gesellschaft“: Diese bietet in Deutschland Areale auf dem afrikanischen Festland westlich von Sansibar zum Kauf an und verspricht unbefugt, für diesen Landerwerb, der in Wahrheit ein ungesichertes privatrechtliches Unternehmen ist, den Schutz des Deutschen Reiches.

So handelt Rohlfs, der Generalkonsul, und handelt sich unverzüglich Bismarck’s schroffen Tadel ein: Philantropismus liege „außerhalb Ihrer Aufgaben“, ebenso „die Beteiligung an der Anti - Sklaverei - Politik der Engländer“.[132]

Nach nur fünfmonatiger Amtszeit wird Rohlfs im Sommer 1885 zur Berichterstattung nach Berlin beordert, läßt seine Frau auf der Insel, erfährt in Aden durch Zufall, daß sein Nachfolger bereits in Sansibar eingetroffen sei, und in Berlin, daß er selbst abberufen ist. Eine Begründung wird ihm nicht gegeben: Abgehalftert. Gedemütigt.

Das Angebot des Auswärtigen Amtes, ihm eine neue Aufgabe zu übertragen, lehnt der solchermaßen Entwürdigte ab: „Jetzt nach solchen Reisen Missionen zu machen, und wenn sie auch noch so ehrenvoll sind, dazu bin ich zu alt“, schreibt der Vierundfünfzigjährige an seine Frau, „und habe außerdem nicht den Willen, mich auf längere Zeit wieder von Dir zu trennen.“[133]  Rohlfs Frau reist ihm nach. Weimar und die zwischenzeitlich vermietete Villa Meinheim haben die beiden wieder. Elf Lebensjahre sollen Rohlfs verbleiben. Seine Frau Leontine wird seinen Tod um vierzig Jahre überleben.

Die Gründe für Rohlfs’ Abberufung sind nach der Quellenlage der vorliegenden Arbeit nicht belegbar. In der Sekundärliteratur werden zwei jeweils von unterschiedlichen Ansatzpunkten ausgehende Argumentationsstränge erkennbar, beide überwiegend spekulativ:

1. Guenther zitiert den Ostafrika Experten Graf Pfeil. Nach dessen Meinung war Rohlfs

    nicht von Haus aus Beamter und von daher mit jenem allen amtlichen Organisationsstrukturen gemäßen Schematismus nicht vertraut, der auch seiner Aufgabe zugrunde lag

    nicht dazu zu bewegen, sich den Gepflogenheiten seines -- und ebenso des Auswärtigen -- Amtes anzupassen, etwa die regelmäßige Berichterstattung strikt einzuhalten

    kein geschulter Diplomat mit konventioneller Karriere und damit innerhalb des exklusiven Diplomatischen Dienstes ein Fremdkörper.

Guenther gibt einen Ausspruch des Grafen Herbert Bismarck, des Sohnes des Reichskanzlers, wieder: „Alle sind auf dem Auswärtigen Amt gegen Rohlfs, nur mein Vater, der schwört auf ihn.“[134]   Das mag nicht ausgereicht haben.

2. Rohlfs fiel nicht Intrigen des Auswärtigen Amtes zum Opfer, sondern mußte der Intervention reaktionärer Kräfte der Kolonialexpansion weichen, die, wie Peters, ein gewaltsames Vorgehen zum Zwecke kolonialer Besitzerwerbung für angebracht hielten. Diesen „Ultras“ war Rohlfs’ Einstellung und Amtsausübung zu wenig forsch.

Genschorek führt einen Vertreter der „Handelsbourgeoisie in Sansibar“ an, „des harten Kurses“, der Rohlfs schlicht die Kompetenz abspricht: „Wir sehen Rohlfs gerne scheiden, der Generalkonsul mag [ sic ] in seinem Metier - dem Reisen - am Platze gewesen sein, zum Diplomaten taugt er nicht.“[135]  Im gleichen Atemzuge wirft dieser Autor Rohlfs vor, was er „fehlende Einsicht in die gesellschaftlichen Zusammenhänge“ nennt:[136] Versäumt zu haben, dem „Kolonialismus die Maske vom Gesicht zu reißen“, wie eben Bebel in seiner Reichstagsrede vom 26. Januar 1889. Dann, milde einlenkend: „Zu einer solch klaren Position konnte Gerhard Rohlfs aufgrund seiner Herkunft [?], sozialen Lage [?] und fehlender Verbindung zu progressiven Kräften [ erneuter Vorwurf? ] nicht gelangen. Ihm das heute anzulasten, wäre unhistorisch und ungerecht.“[137]

Beide Argumentationslinien dürften im wesentlichen kompatibel sein.

 

 

3.0.        Die letzten Lebensjahre: In Rüngsdorf/Rhein

Das Klima in Weimar macht Rohlfs mit zunehmendem Alter doch zu schaffen, und daher ziehen Gerhard Rohlfs und seine Frau Loni im Mai 1890 nach Rüngsdorf am Rhein um ( siehe Anlage 4, Kap. 3.2. ). Gerhard Rohlfs veröffentlicht von dort aus Aufsätze über die Kolonialpolitik, die in ganz Deutschland viel Beachtung finden.

1894 stürzt Rohlfs plötzlich, er erleidet einen Schlaganfall. Die ersten Zeichen einer Lähmung stellen sich ein. Nichtsdestotrotz feiern seine Frau und er im Jahre 1895 noch ihre silberne Hochzeit, doch Rohlfs weiß bereits um seinen bevorstehenden Tod. Am 2.6.1896 stirbt Gerhard Rohlfs an Herzverzversagen. Seine Asche wird nach Vegesack überführt und dort in großen Ehren beerdigt .

 


[1]   10 Jahre nach Ludwig Knoop, 3 Jahre vor Adolf Lüderitz, 5 Jahre vor Franz Schütte

[2]   Archiv  Schönebeck

[3]   Privat besorgt

[4]   Archiv Schönebeck

[5]   Bis dorthin war sie vermutlich mit der Eisenbahn gereist: Die Eisenbahnlinie bestand meines Wissens bereits vor 1848.

[6]   Archiv Schönebeck: siehe Anlage 2

[7]   Archiv Schönebeck: siehe Anlage 3

[8]   Archiv Schönebeck: siehe Anlage 4

[9]   Archiv Schönebeck :       -"-

[10]   Archiv Schönebeck: siehe Anlage 5

[11]   z.B. Guenther, S. 18; Genschorek, S. 13

[12]   Guenther, S. 18

[13]   Schwarzwälder, Geschichte der Hansestadt Bremen, S. 358; Schwarzwälder, Berühmte Bremer, S. 98

[14]   Bürgermeister Dr. Otto Gildemeister beschrieb diese vom liberalen Geist getragene Lebenskonzeption 1875 mit den Worten: "Die Wohlfahrt aller wird am besten gefördert, wenn jeder einzelne seine Wohlfahrt zu fördern nicht gehindert wird." Aus: Schwarzwälder, Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, S. 357. Erkennbar: Adam Smith ( 1723 - 1780 ): Inquiries into the Wealth of Nations.

[15]   Die Bedeutung dieser Aufzeichnungen liegt in der Tatsache, daß erstmalig ein Europäer die Gelegenheit hatte, so lange eine Stellung in Marokko innezuhaben, die ihm derart tiefe Eindrücke in das Leben der Bewohner sowie in das Staatswesen ermöglichte.

[16]   zitiert nach: Gerhard Rohlfs, Durch die Sahara, Leipzig 1928, S. 21

[17]   ebd., S. 24

[18]   vergl. Gerhard Rohlfs, Quer durch Afrika, hrsg. v. Herbert Guggenbauer, Stuttgart 1984, S. 10

[19]   Rohlfs mußte nach seiner Entdeckung jedoch nochmals vier Stunden warten, bis die Mönche einen Maulesel geholt hatten, um ihn transportieren zu können. Vergl. ebd., S. 28

[20]   Vergl. Gerhard Rohlfs, Quer durch Afrika, S. 10

[21]   Guenther, S. 48

[22]   ebd., S. 51

[23]   ebd., S. 50

[24]   ebd., S. 52

[25]   Die engl. geographische Anstalt stellt 300 Taler zur Verfügung, sein Bruder Hermann steuert 500 Taler bei und der Bremer Senat bewilligt ein Reisestipendium von 300 Talern. Vergl. "Extract vom Verwaltungsprotokoll vom 6. Juli 1863". Akten des Bremer Senats zur Vergabe von Ausbildungs- und Reisestipendien 1816 - 1884. Staatsarchiv Bremen

[26]   Eine ausführliche Reisebeschreibung in: Gerhard Rohlfs, Reise nach Marokko, Bremen 1886

[27]    Guenther, S. 53

[28]   Eine Unterstützung der Berliner geographischen Anstalt von 275 Talern erreicht ihn vor seiner Abfahrt nicht mehr. Vergl. Konrad Guenther, S. 52

[29]   Vergl. "Dr. Petermann's Mittheilungen", Jahrgang 1865, S. 70, S. 235, S. 263; Jahrgang 1866, S. 3, S. 318

[30]   Vergl. das Vorwort in Gerhard Rohlfs, Reise nach Marokko, Bremen 1886

[31]   Vergl. Gerhard Rohlfs, Quer durch Afrika, S. 28

[32]   Vergl. "Extract vom Verwaltungsprotokoll vom 21. März 1865". Akten des Bremer Senats zur Vergabe von Reise- und Asubildungsstipendien 1816 - 1884. Staatsarchiv Bremen

[33]   W. Wolkenbauer spricht von einer Summe von 2600 Talern. Vergl. Nekrolog in: Deutsche geographische Blätter, Bd. 19, S. 171. Herausgegeben von der Geographischen Gesellscheft in Bremen

[34]   Vergl. Guenther, S. 63

[35]   Vergl. "Extract vom Verwaltungsprotokoll vom 13. Januar 1866". Akten des Bremer Senats zur Vergabe von Reise- und Ausbildungsstipendien 1816 - 1884. Staatsarchiv Bremen

[36]   Vergl. Guenther, S: 73ff.

[37]   Vergl. Gerhard Rohlfs, Quer durch Afrika, S. 192

[38]   Vergl. Wilfried Westphal, Die deutschen Kolonien, München 1984, S. 44

[39]   Vergl. Herbert Guggenbauer, Einleitung in: Gerhard Rohlfs, Quer durch Afrika, S. 19

[40]   Der prominenteste Leser wird König Leopold II. von Belgien, der das 1875 erschienene Werk "Quer durch Afrika" liest und im September 1876 eine internationale Konferenz für die Gründung einer Gesellschaft zur Erforschung und Zivilisierung Afrikas veranstaltet. Auch Rohlfs wird zu dieser Konferenz eingeladen , die  von Zeitgenossen als die Vorwegnahme der eigentlichen Gründung von Belgisch - Kongo 1885 angesehen wurde. Vergl. Guenther, S. 72ff.

[41]    Guenther, S. 90

[42]   ebd., S. 92f.

[43]   Vergl. Alwin Belger, Niedersachsen - Gestalten und Zeiten, Hannover ( ohne Jahresangabe ), S. 20

[44]    Bei Belger sind es allerdings nur 11 Verwundete, vergl. ebd., S. 20, und Konrad Guenther, S. 97

[45]   Vergl. Belger, S. 18, und Guenther, S. 101

[46]   Guenther, S. 111ff.

[47]   Auch hier variieren die Angaben: bei Guenther ( S. 114 ) sind es 25m unter null, bei H. Abel, G. Rohlfs - life and work, in: Annals Geological survey of Egypt, Vol. V, 1975, S. 19, beträgt die Depression bereits 100m!

[48]   Vergl. Konrad Guenther, Kapitel "Häusliches Leben", in: Gerhard Rohlfs, Kreuz und quer durch Afrika. Leipzig 1928

[49]   vergl. Guenther, Gerhard Rohlfs, S. 139ff.

[50]   ebd., S. 140

[51]   Ismael Pascha wird 1879 aufgrund der hohen Staatsverschuldung Ägyptens als Vizekönig abgesetzt. Vergl. Immanuel Geiss, Geschichte griffbereit. Personen. Die biographischen Dimensionen der weltgeschichte, Reinbeck bei Hamburg 1979, Bd. 2, S. 219

[52]   Vergl. Guenther, S. 144

[53]   Vergl. W. Jordan, Expedition zur Erforschung der libyschen Wüste unter den Auspizen seiner Hoheit den Khadiven von Ägypten im Winter 1873/74, Kassel 1883, Bd. 2.    K. Zittel, Expedition zur Erforschung der libyschen Wüste unter den Auspizen des Khadiven von Ägypten 1873/74, Kassel 1883, Bd. 3. Ph. Remelé, G. Rohlfs' Expedition nach der libyschen Wüste 1873/74 in Photographien. Ohne Erscheinungsort und Datum.

[54]   Gerhard Rohlfs, Drei Monate in der libyschen Wüste, Kassel 1875

[55]   zitiert aus Hermann Krätschel: Carl Peters 1856 bis 1918. Ein Beitrag zur Publizistik des imperialistischen Nationalismus in Deutschland, Berlin 1959, S. 56

[56]   Vergl. Guenther, S. 173

[57]   ebd., S. 172

[58]   Rohlfs' Biograph Guenther behauptet, daß die religiöse Bevölkerung Audschilas das Männchenmachen des Hundes als Verunglimpfung eines betenden Moslem empfanden. Vergl. Guenther, S. 180ff.

[59]   Vergl. Guenther, S. 182ff.

[60]   Vergl. Gerhard Rohlfs, Kreuz und quer durch die Sahara, S. 106

[61]   Vergl. Guenther, S. 192

[62]   ebd., S. 186ff.

[63]   ebd., S. 193

[64]   Die Reise nach Abessinien dokumentiert Rohlfs in Briefen an seine Frau. Die Briefe wurden in der Neuen deutschen Rundschau veröffentlicht., Bde. 9 - 11, Berlin 1898. Hier: Neue deutsche Rundschau, Bd. 10, S.1043

[65]   Vergl. Neue deutsche Rundschau, Bd. 10, S. 1042

[66]   Guenther, S. 116

[67]   ebd., S.116

[68]   ebd., S. 117

[69]   Wolfgang Genschorek, Im Alleingang durch die Wüste, Leipzig  1982², S. 137

[70]   ebd., S. 137

[71]   ebd., S. 137

[72]   Guenther, S. 119

[73]   ebd., S. 122

[74]   Genschorek, S. 137

[75]   ebd., S. 137

[76]   ebd., S. 138

[77]   Guenther, S. 124

[78]  Einen Brief vom 20.7.1870 ( Peter Heine in: Die Welt des Islams, Leiden 1982, N.S. Vol. XII, Nr. 1 - 4, S. 63. Staatsarchiv Bremen V - 9994 - 17 )

[79]   Guenther, S. 125

[80]   Heine, a.a.O., S. 61 - 66

[81]   Guenther, S. 132 - 135

[82]    ebd., S. 129

[83]   Genschorek, S. 135f.

[84]   Guenther, S. 271

[85]   ebd., S. 115

[86]   ebd., S. 136

[87]   ebd., S. 264

[88]   Genschorek, S. 183

[89]   Guenther, S. 266f.

[90]   Gerhard Rohlfs, Erinnerungen an Franz Liszt ( Weimar 1871 - 1886 ), Hannover 1993, S. 19. Archiv       Schönebeck

[91]   ebd., S. 19

[92]   ebd., S. 10

[93]   ebd., S. 7

[94]   Archiv Schönebeck. Signaturen s. Anlage

[95]   Archiv Schönebeck, 18.40 a

[96]   ebd., 18.40 a.2

[97]   ebd., 18.41

[98]   Genschorek, S. 153

[99]   Guenther ( Brief vom 24.10.1875 ), S. 151

[100]   ebd. ( Brief vom 26.10.1875 ), S. 152

[101]   ebd. ( Brief 26.10.1875 ), S. 153

[102]   ebd. ( Brief  1.11.1875 ), S. 154f.

[103]   ebd. ( Brief 5.11.1875 ), S. 156

[104]   ebd. ( Brief 3.12.1875 ), S. 159

[105]   ebd. ( Brief 2.1.1876 ), S. 162

[106]   Archiv Schönebeck 1./105

[107]   ebd.                          7/16

[108]   s. folgenden Abschnitt

[109]   Guenther, Ss. 311 - 335

[110]   Brem. Biographie d. 19. Jhdt. Bremen 1912, S. 294ff.

[111]   Schwarzwälder, S. 362

[112]   Guenther, S. 186

[113]   Genschorek, S. 186

[114]   ebd., S. 186

[115]   Schwarzwälder, S. 362

[116]   Archiv Schönebeck 19.103 a

[117]   Guenther, S. 263

[118]   Archiv Schönebeck 19.108 a1

[119]   Archiv Schönebeck 19.112 a

[120]   Staatsarchiv Bremen 7.15 Lüderitz

[121]   Archiv Schönebeck 19.115. a.1; ebd., 19.136 a.1

[122]   Staatsarchiv Bremen  7.15 - A. 17

[123]   Gerhard Rohlfs, Kreuz und quer durch die Sahara, S. 156

[124]   Guenther, S. 272

[125]   Staatsarchiv Bremen 7,15 - 12 - 1; ebd.,  7,15 Lüderitz 7,15 - A 12

[126]   Schwarzwälder, S. 364

[127]   Genschorek, S. 185  ( Genschorek gibt statt 1884 das Jahr 1885 an. Die Bremische Biographie des 19. Jahdt. gibt, wie Schwarzwälder, 1884 an.)

[128]   Staatsarchiv Bremen 7,15 - 25 -3/ 7,15 - c1

[129]  Genschorek, S. 189

[130]   ebd., S. 192

[131]   Guenther, S. 219, S. 223

[132]   Genschorek, S. 188f. u. 194

[133]   Guenther, S. 237

[134]   ebd., S. 237ff.

[135]   Genschorek, S. 195

[136]   ebd., S. 201

[137]   ebd., S. 200