Peter GAIDA

 

 

"Saatkorn verstreut in die Winde.

Wissen wer immer es finde."

(Norbert Elias)

 

 


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« L’empire de la contrainte ».

Le travail forcé dans les colonies françaises (1900 - 1946)

« Die Faulheit der Neger ».

Zwangsarbeit in den französischen Kolonien (1900 - 1946)

Peter Gaida

 

Das Thema Zwangsarbeit hat seit der bahnbrechenden Studie von Ulrich Herbert zu den „Fremdarbeitern“ im Dritten Reich die Geschichtswissenschaft die letzten zwanzig Jahre stark beschäftigt und mündete in die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter aus dem Osten Europas. Und auch in anderen europäischen Ländern begann eine Aufarbeitung der Zwangsarbeit während der Schreckensherrschaft der Nazis in den besetzten Gebieten. Doch die Zwangsarbeit ist weder eine Erfindung der nationalsozialistischen Diktatur noch auf den europäischen Raum beschränkt. Zwangsarbeit war ebenfalls ein Massenphänomen im Stalinismus, während der japanischen Expansion in Asien und in den europäischen Kolonialreichen.  

Das Habilitationsvorhaben beschäftigt sich der indigenen Zwangsarbeit im Kolonialismus am Beispiel des französischen Kolonialreichs. Alle europäischen Kolonialreiche haben nach dem Ende des Sklavenhandels im 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg systematisch auf Zwangsarbeit zurückgegriffen, um ihre neuen Kolonien in Afrika und Asien wirtschaftlich auszubeuten. Angesichts fehlender Arbeitsmärkte basierten im französischen Kolonialreich öffentliche Bauvorhaben (Eisenbahnen, Straßen, Häfen) und die private Plantagenwirtschaft auf dem Einsatz tausender indigener Zwangsarbeitern. Die Formen der Zwangsarbeit reichen von administrativen Zwangsverpflichtungen und steuerlichen Arbeitsleistungen bis zu paramilitärischen Arbeitsdiensten und privaten Vertragsknechtschaften. Als die Internationale Arbeitsorganisation (AIO) die Zwangsarbeit 1930 in einer Konvention abzuschaffen versuchte, führte Frankreich in seinen Kolonien einen öffentlichen Arbeitsdienst (« Travail public obligatoire», TPO) ein, der als Vorläufer des 1942 vom Vichy-Regime eingeführten Arbeitsdienstes für Franzosen im Dritten Reich (STO) angesehen werden kann, und der erst 1946 von der Regierung de Gaulle abgeschafft wurde.

Angesichts fehlender Forschung zu diesem Thema auf beiden Seiten des Rheins fokussiert das Habilitationsvorhaben - auf der Basis verfügbarer Quellen - auf die vier neuen Kolonien Frankreichs im 20. Jahrhundert (West- und Äquatorialafrika, Madagaskar und Indochina), in denen über ein halbes Jahrhundert lang massive Zwangsrekrutierungen vorgenommen wurden, und auf die vier verschiedenen Regierungen (3. Republik, Front populaire, Vichy-Regime und Regierung de Gaulle), die sich politisch unterschiedlich zur Zwangsarbeit positionierten. Das Habilitationsvorhaben geht schließlich auch der Frage nach, ob die Zwangsarbeit im Kolonialismus als ein Vorläufer der Zwangsarbeit im Faschismus angesehen werden kann und versteht sich als ein innovativer Anstoß für komparative Folgestudien.

 

   

© Peter Gaida

 

 

Groupes de travailleurs étrangers, Organisation Todt, Compagnies de travailleurs étrangers, CTE, Gtravaforcé Zwangsarbeit Organisation Todt TE, mur de l´Atlantique