Peter Gaida

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Magisterarbeit : Zwangsarbeiter für Hitler und Pétain. Der Atlantikwall in  Südwestfrankreich 1940-1944

Einführung

1. Frankreich in Hitlers Europa

2. Das besetzte Frankreich

3. Die Kollaboration der französischen Industrie

4. Die « Festung Europa »  

5. Die "Organisation Todt"

6. Aquitanien unter deutscher Besatzung

7. Bordeaux, strategische Stadt des Dritten Reiches

8. Der U-Bootbunker von Bordeaux 

9. Die « Rotspanier » der OT

10. Die Festung "Gironde-Süd"

 

Bilanz

 

 

Frankreich in Hitlers Europa 

   

Frankreich ist neben Belgien das einzige Land in Europa, das Hitler bis zu seiner Machtübernahme selbst gesehen hat. In den Schützengräben des evakuierten und verwüsteten Nordfrankreichs erlebt Hitler den Ersten Weltkrieg, der ihn für sein weiteres Leben wesentlich prägen sollte, während die Bevölkerung und die Sprache des Landes ihm fremd bleiben. Seine Vorstellung von Frankreich ist vom Krieg beherrscht.[1]

In der Zwischenkriegszeit entwickelt Hitler aus dieser Erfahrung heraus eine Ideologie, die er in den beiden Bänden seines Werkes Mein Kampf  niederschreibt und das sein späteres Handeln vorwegnimmt. Bereits im ersten Band entwickelt Hitler zwei Konstanten, die zum Leitfaden seiner Politik werden: Die Revision des Versailler Vertrages und die Eroberung von neuem Lebensraum für das deutsche Volk im Osten.[2]

Im seinem zweiten Buch schließlich fügt er seine Ideologie zu einem außenpolitischen Konzept zusammen. Die bloße Wiederherstellung der deutschen Reichsgrenzen von 1914, für Hitler nun „politischer Unsinn“, weicht der Forderung, „dem deu-tschen Volk den ihm gebührenden Grund und Boden auf dieser Erde zu sichern“.[3] Aus dem ursprünglichen Ziel, dem Revisionskrieg gegen Frankreich, wird nur noch ein Mittel, um für ein neues größeres Ziel, nämlich einen Eroberungskrieg gegen die Sowjetunion, freie Hand zu haben.

Mit Hitlers Machtergreifung im Januar 1933 beginnt sein außenpolitisches Programm, für das ihm seine Ideologie zum Leitfaden wird. Für die strategische Vorbereitung der beiden Kriege arbeitet Hitler an der Inbesitznahme des Aufmarschgebietes im Osten und der Gewinnung neuer Bündnispartner im Westen. Die Eroberung der Tschechoslowakei und Polens, beide Verbündete Frankreichs, wird die Voraussetzung für die Rückenfreiheit im Osten bei einem Angriff im Westen, ein Bündnis mit Italien wird die Voraussetzung für die Rückenfreiheit im Westen bei einem Angriff auf die Sowjetunion.

Zwei weltpolitische Ereignisse führen zu einer Annäherung an Italien. Im Mai 1936 führt das faschistische Italien unter Mussolini einen Krieg im afrikanischen Abessinien. Hitler unterstützt den italienischen Griff nach Afrika und erhält im Gegenzug den italienischen Verzicht auf Österreich. Beim zweiten weltpolitischen Ereignis, dem Spanischen Bürgerkrieg, führt das gemeinsame Engagement Italiens und Deutschlands für den konservativen Militäraufstand unter General Franco zu einer „Achse Berlin-Rom“, während Frankreich und England eine Politik der Nichteinmischung verfolgen. Der Spanische Bürgerkrieg wird so das erste Kapitel des Zweiten Weltkrieges.[4]

Im 23. August 1939 unterzeichnen Hitler und Stalin einen Nichtangriffspakt. Damit hat Hitler die Gefahr eines möglichen sowjetischen Angriffs beim Krieg im Westen gebannt, lediglich der letzte östliche Nachbar des Deutschen Reiches, das mit Frankreich verbündete Polen muss noch unterworfen werden, um bei einem Angriff im Westen den Rücken frei zu haben. Am 31. August 1939 unterzeichnet Hitler die „Führerweisung Nr. 1“ zum Angriff auf Polen und entfesselt damit den Zweiten Weltkrieg.

Am 1. September 1939 erfolgt der deutsche Angriff auf Polen, zwei Tage später folgt die französische und die englische Kriegserklärung an Deutschland. Polen kapituliert knapp vier Wochen später, während die alliierten Truppen an der deutschen-französischen Grenze monatelang in der Defensive verharren. Am 11. Mai beginnt der deutsche Panzervorstoß in die belgischen Ardennen und in nur elf Tagen erreicht die Wehrmacht die Kanalstadt Calais. Die alliierte Frontstellung wird so in kurzer Zeit in zwei Teile zerschlagen. In nur sechs Wochen hat Hitler die stärkste Militärmacht des Kontinents ausgeschaltet und einen Grossteil Frankreichs erobert. Damit hat er sein erstes Ziel, die Revision der Niederlage von 1918 und die Zerschlagung des „Todfeindes Frankreich“ erreicht. Der Sieg über Frankreich wird „Hitlers größter Triumph“.[5]

Schließlich wendet sich Hitler England zu. Nachdem England nicht auf außenpolitischem Wege als Bündnispartner zu gewinnen ist, beschließt Hitler seine Unterwerfung. Eine deutsche Landung auf der britischen Insel wird vorbereitet, das Unternehmen „Seelöwe“. Doch für eine Landung in England muss zunächst die deutsche Luftwaffe die Hoheit im englischen Luftraum gewinnen. Ihr steht an der englischen Sudküste ein umfangreiches Verteidigungssystem mit zahlreichen Radarstationen, Flugabwehrgeschützen und Sperrballonen gegenüber, dass der englischen Luftwaffe einen effizienten Einsatz ihrer Flugzeuge ermöglicht. Im Dezember 1940 muss Hitler bekannt geben, dass der Luftkrieg um England verloren ist. Das Unternehmen „Seelöwe“ wird verschoben.[6]

Damit verliert Hitler bereits 1940 seine erste entscheidende Schlacht. Da die Insel nicht „im Sturm“ zu nehmen ist, wendet er sich von der Westfront ab und bereitet seinen zweiten Krieg vor, den Eroberungskrieg von „Lebensraum im Osten“. Im Dezember 1940 unterzeichnet Hitler die Führerweisung Nr. 21 für den Angriff auf die Sowjetunion, das Unternehmen „Barbarossa“. Obwohl die Gefahr im Westen nicht gebannt ist, ändert Hitler so grundlegend seine Strategie und nimmt so das Risiko eines Zwei-Fronten-Krieges in Kauf. Diese Kehrtwende in seiner Strategie wird für Eberhard Jäckel zum „folgenschwerste Entschluss, den Hitler jemals getroffen hat“.[7]

Als sich Ende 1941 mit dem Kriegseintritt der USA die Invasionsgefahr konkretisiert, baut die Wehrmacht an der Atlantikküste schließlich eine umfangreiche Küstenverteidigung auf, den „Atlantikwall“. Mit dessen Bau beauftragt Hitler eine neue zivile Baubehörde, die „Organisation Todt“.

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[1] Vgl. E. Jäckel: Frankreich in Hitlers Europa. Die deutsche Frankreichpolitik im Zweiten Weltkrieg. Stuttgart 1966, S. 13 f.

[2]  Die von E. Jäckel formulierte dritte Konstante, die Vernichtung der Juden, bleibt hier unberücksichtigt. Vgl. Jäckel, E.: Hitlers Weltanschauung. Entwurf einer Herrschaft. Stuttgart 19914, ferner Jäckel, E.: Hitlers Herrschaft. Vollzug einer Weltanschauung. Stuttgart 19864

[3]  Ebd.., S. 42 f.

[4]  Ebd.., S. 12 ff.

[5]  Ebd.., S. 76

[6]  Vgl. K. A. Maier: "Die Luftschlacht um England.", in: W. Michalka  (Hg.): Der Zweite Weltkrieg. Analysen. Grundzüge, Forschungsstand. Wygarn 1997 (Erstauflage: München 1989)  S. 513-522

[7]  Zitat von E. Jäckel 1991, S. 57